16.04.2013
Das Landesarchiv Nordrhein Westfalen hatte in einem offiziellen Akt am 16. April 2013 in der Brüssler Landesvertretung von NRW entfremdete Akten an die belgische Archivverwaltung zurückgegeben.
In den Beständen der Abteilung Rheinland des Landesarchivs NRW lagerten noch über 250 Akten, die eigentlich nach Belgien gehören. Es handelt sich um Unterlagen, die teilweise aus dem Herzogtum Limburg stammen, zum größten Teil aber bei den ehemaligen preußischen Landkreisen Eupen und Malmedy entstanden. Manche dieser Akten sind über 300 Jahre alt; die meisten datieren jedoch aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Der Weg der Akten ins Landesarchiv NRW war nicht mehr in allen Fällen eindeutig zu klären. Fest steht, dass im Zuge der Besetzung Belgiens im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Unterlagen über die annektierten Gebiete von deutschen Archivaren aus der Überlieferung der belgischen Archive herausgerissen und nach Düsseldorf überführt wurden. Von dort sollten die Akten gegen Kriegsende per Schiff über den Mittellandkanal in vermeintlich sicheres Gebiet ausgelagert werden. Das Schiff wurde jedoch im Hafen von Hannover von Bomben betroffen und sank; die wertvolle archivische Fracht wurde erst nach einem halben Jahr geborgen und befand sich in einem desolaten Zustand.
Die Akten waren „durch und durch nass“, teilweise verschimmelt, kleine Teile völlig verbrannt, einige zumindest angekohlt; Seiten der Akten waren miteinander verklebt und Stücke durch Stauchungen oder Risse beschädigt.
Die Restaurierung der sogenannten „Düsseldorfer Kahnakten“ zog sich über Jahrzehnte hin und dauert auch heute noch an. Es handelt sich um das umfangreichste Projekt zur Rettung kriegsbeschädigten Archivgutes in der Bundesrepublik Deutschland. Erst nachdem Diese wieder lesbar gemacht worden waren, konnten sie den ursprünglichen Beständen zugeordnet werden. So dauerte es letztlich auch lange, bis die ehemals belgischen Bestände identifiziert werden konnten.

Alle Akten wurden in der Werkstatt des Landesarchivs umfassend restauriert. Hierbei kam ein neues im Landesarchiv im Jahr 2012 weiter entwickeltes Mengenverfahren der Papierstabilisierung zur Anwendung. Die Verblockungen wurden gelöst, die Akten gereinigt, fragile Blätter mit einem hauchdünnen Japanpapier (3-4 g/m²) stabilisiert und mit flüssigem Papierbrei ergänzt. Anschließend wurden die Unterlagen nach archivischen Grundsätzen inhaltlich erschlossen. Die Ergebnisse dieser Erschließung sind in einem Findbuch dokumentiert.
Der größte Teil der Akten war bestimmt für die Staatsarchive in Lüttich und Eupen. Dort wurden sie weiter erschlossen und wieder in ihre Bestände eingeordnet. Diese stehen nun der Geschichtsforschung aller Art zur Verfügung.
Zuletzt bearbeitet am 15.09.2023 von Julian Klein