Das Archiv

Aufgaben

Das Belgische Staatsarchiv besteht aus dem Generalstaatsarchiv in Brüssel sowie 17 weiteren Standorten in den Provinzen des Landes.

Nach dem belgischen Archivgesetz ist das Staatsarchiv in Eupen zuständig für das Archivgut der staatlichen Behörden und Einrichtungen, die im deutschen Sprachgebiet Belgiens ansässig sind. Auch die neun Gemeinden des deutschen Sprachgebiets geben ihre historischen Unterlagen an das Staatsarchiv ab. Dadurch wurde der Bestand an staatlichen Akten erheblich erweitert.

Hinzu kommen Unterlagen kirchlicher Einrichtungen aus der Region. Dazu gehören zum einen Kirchenbücher – also Tauf-, Heirats- und Sterberegister –, die heute vom Staat verwaltet werden. Zum anderen bewahrt das Staatsarchiv weitere kirchliche Dokumente als Leihgabe auf, die von den Kirchenfabriken zur sicheren Aufbewahrung übergeben wurden. Außerdem bewahrt das Staatsarchiv private Unterlagen von Einzelpersonen und Organisationen auf, die ihren Wohn- oder Firmensitz im Zuständigkeitsgebiet haben oder hatten.

Als einziges belgisches Staatsarchiv übernimmt das Staatsarchiv in Eupen zudem dauerhaft aufbewahrungswürdige Unterlagen eines Gliedstaates – nämlich der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Seit einem Kooperationsvertrag zwischen dem Belgischen Staatsarchiv und der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft aus dem Jahr 2013 erfüllt das Staatsarchiv in Eupen als föderale Behörde die Rolle eines „Landesarchivs“ der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

All diese Aufgaben spiegeln die fünf Kernaufgaben wider, die das Staatsarchiv in Eupen tagtäglich erfüllt: Es sammelt analoge und digitale Unterlagen aus Behörden, Gemeinden, Kirchen und privaten Händen, bewahrt sie dauerhaft und schützt sie vor Verlust oder Beschädigung, ordnet und verzeichnet sie so, dass sie gezielt auffindbar sind, macht sie zugänglich für Forschung, Behörden und die breite Öffentlichkeit – und berät Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen und Verwaltungen bei Fragen rund um ihre eigenen Unterlagen und deren Aufbewahrung.

 

Mitarbeitende

Els Herrebout

Leiterin des Archivs

Vitus Sproten

Oberassistent

Corinne Triolet

Archivarin

Birgit Holländer

Monique Leas

Monique Beuken

Heike Goebels


Das Belgische Staatsarchiv gliedert sich in das Generalstaatsarchiv mit zwei Standorten in Brüssel als Hauptverwaltung, die drei in Brüssel ansässigen und für bestimmte Archivbestände zuständigen Dienststellen Archiv des königlichen Palasts, CegeSoma (Centre d’Études et de Documentation Guerre et Sociétés contemporaines/Studie- en Documentatiecentrum Oorlog en Hedendaagse Maatschappij) sowie Archivdienst für Kriegsopfer (Service Archives des Victimes de la Guerre/Dienst Archief Oorlogsslachtoffers) und darüber hinaus in 14 Staatsarchive mit Archivsprengeln in den Provinzen des Königreiches.

Gemäß dem Belgischen Archivgesetz übernimmt, erhält und verwaltet das Staatsarchiv in Eupen das Archivgut der öffentlich-rechtlichen Einrichtungen und Körperschaften des belgischen Föderalstaates, die im Archivsprengel, der dem Gerichtsbezirk Eupen entspricht, ihren Sitz haben. Der Gerichtsbezirk Eupen ist seinerseits deckungsgleich mit den neun Gemeinden des deutschen Sprachgebiets, die ihrerseits die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens („Ostbelgien“) bilden: Amel, Büllingen, Bütgenbach, Burg-Reuland, Eupen, Kelmis, Lontzen, Raeren und Sankt Vith.

Gleichzeitig haben auch acht der neun Gemeinden des deutschen Sprachgebiets von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre historischen Akten als Deponat an das Staatsarchiv abzugeben. Der Bestand an staatlichen Unterlagen hat durch dieses kommunale Schriftgut eine bedeutende Erweiterung erfahren. Als weitere wichtige Überlieferung kommen Unterlagen der kirchlichen Einrichtungen aus dem Sprengel, zum Teil als säkularisiertes Archivgut (Kirchenbücher), zum Teil als Deponate hinzu. Darüber hinaus bewahrt das Staatsarchiv privates Archivgut von natürlichen und juristischen Personen, die ihren Sitz oder Wohnort im Sprengelgebiet hatten beziehungsweise haben.

Als einziges belgisches Staatsarchiv übernimmt das Staatsarchiv in Eupen zudem die dauerhaft archivwürdigen Unterlagen eines föderalen Gliedstaates, nämlich der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Die ostbelgische Regierung hat bisher auf den Erlass eines eigenen Archivdekrets und die Einrichtung eines eigenen „Gemeinschaftsarchivs“ verzichtet. Stattdessen wurde 2013 eine Zusammenarbeitskonvention zwischen dem Belgischen Staatsarchiv und der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterzeichnet, durch die das Staatsarchiv in Eupen in die Lage versetzt wurde, als Föderale Behörde die Aufgabe eines „Landesarchivs“ der Deutschsprachigen Gemeinschaft wahrzunehmen. Nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen im Ministerium bzw. den anderen Öffentlichen Diensten der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden die entsprechenden Unterlagen ggf. bewertet und durch das Staatsarchiv in Eupen übernommen. Hierzu stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft seit 2017 finanzielle und personelle Ressourcen, die in einem ergänzenden Zusammenarbeitsabkommen geregelt wurden, zur Verfügung.

Quelle: P. Quadflieg, Die Bestände des Staatsarchivs in Eupen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Brüssel 2019, S. 11 f.