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Pfarre Wallerode

Pfarre Wallerode

Seit mindestens 1614, wo sie zum ersten Mal in einem überlieferten Dokument erwähnt wird, steht in Wallerode eine Dorfkapelle. Im Juni 2023 hat der Rat der Kirchenfabrik Wallerode einen Teil seiner Aktenführung zur Verwahrung an das Staatsarchiv Eupen gegeben. Besonders interessant ist dieser Bestand, weil er außerhalb der Dokumente, die im alltäglichen Betrieb einer Kirche entstehen, auch einige außerordentliche Stücke enthält. Neben den Registern von Taufen und Eheschließungen finden sich hier preußische Kaufvertäge, Dokumente der französischen Armee unter Napoleon, Testamente, die teilweise bis 1750 zurückgehen und vieles mehr.

Eine Ausmusterungsbescheinigung der französischen Armee, frühes 19. Jhd.

Hauptbestandteil dieser faszinierenden Sammlung ist eine Chronik, die im frühen 20. Jahrhundert von den Pfarrern von Wallerode begonnen wurde. Pfarrer Edmund Bungarz, der Hauptautor des Dokumentes, schreibt in einem Vorwort, die Idee der Chronik kam von seinem Vorgänger, der ihm ‚recht warm‘ empfohlen hätte, diese weiterzuführen. Um dieses Vermächtnis zu ehren, machte Bungarz sich eifrig ans Werk. Das auf 1913 datierte Buch versucht, die Geschichte und Kultur von Wallerode so umfassend wie möglich zu beschreiben. Dabei wirft es einen Blick auf verschiedenste Aspekte des Dorflebens, von der Häufung bestimmter Vornamen bis zu den sprachlichen Eigenheiten der Walleroder.

Plan von Wallerode im Jahr 1913
Auch in der Chronik: Ein Plan von Wallerode und Umgebung im Jahr 1913

Die Chronik enthält außerdem eine chronologische Übersicht der Pfarrgeschichte, die nicht nur bis auf die Erhebung von Wallerode als eigenständige Kirche zurückgeht, sondern auch nach der Amtszeit des ursprünglichen Autors weiter geführt wurde. So enthält sie in kurzen Tagebucheinträgen einen persönlichen Erfahrungsbericht des Ersten Weltkriegs, in dem Wallerode für kurze Zeit zu einem Sammelpunkt für Soldaten auf dem Weg zur Westfront wurde. Sie schildert auch den Wiederaufbau nach Kriegsende und die Eingliederung in das belgische System, die viele Veränderungen für die Pfarre mit sich brachte.

Teil des Archivbestands ist allerdings nicht nur die Chronik selbst, sondern auch die vielen verschiedenen Dokumente, die Pfarrer Bungarz während seiner Recherche zusammengetragen hat. Darunter befinden sich verschiedenste Akten aus mehreren Jahrhunderten, die nicht nur einen tieferen Einblick in die Materie geben, sonder auch die Möglichkeit bieten, die Nachforschungen des Pfarrers direkt in den Kontext der verwendeten Quellen einzuordnen.

Wenn Sie Interesse haben, sich die Akten der Pfarre Wallerode persönlich näher anzusehen, können sie diese unter der Bestandsnummer 1-065 anfragen. Recherchen in den Beständen des Generalarchivs und der Staatsarchive in den Provinzen lassen sich unter http://search.arch.be/ auch online durchführen.