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Pfarre Neundorf

Pfarre Neundorf

Der nachstehende Beitrag behandelt die Geschichte der Pfarre Neundorf zwischen 1740 und 1990. Er wurde im Rahmen der Inventarisierung der Akten der Pfarren durch das Staatsarchiv in Eupen erstellt. Ursprünglich enthält der vorliegende Text weiterführende Informationen und Fußnoten. Diese Informationen können in der Printversion des Inventars konsultiert werden.

Alle Akten, die mit der Pfarre Neundorf zu tun haben und sich im Staatsarchiv in Eupen befinden, können im Prinzip im Staatsarchiv in Eupen eingesehen werden. Es können für Teile der Akten auch anderslautende Bestimmungen in Bezug auf die Einsichtnahme existieren. Falls Sie weitere Informationen zu der Institution benötigen oder gerne Akten einsehen möchten, können Sie sich gerne an das Staatsarchiv in Eupen wenden: staatsarchiv.eupen@arch.be

GESCHICHTE DES ARCHIVBILDNERS UND DES ARCHIVBESTANDS

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Archiv der Kirchenfabrik der Pfarre Mariä Himmelfahrt in Neundorf.

GESCHICHTE DER PFARRE NEUNDORF


Die Kirchen in Neundorf und St. Vith werden beide für die Jahre 1130 und 1131 erstmals bezeugt. Als Eigenkirchen des Abtes von Stavelot-Malmedy hatte dieser bis 1803 das Recht, den Pfarrer von Neundorf-St. Vith vorzuschlagen. Nach ihrer Ernennung waren die Pfarrer jedoch unabhängig und unterstanden nur dem Bischof von Lüttich. Die Pfarre Neundorf-St. Vith war eine Ordenspfarre der Benediktiner. Urkundlich erscheint die Pfarrkirche von Neundorf stets als der Heiligen Jungfrau Maria geweihte Kirche, die sich unter dem Titel „Mutter der Barmherzigkeit: mater misericordiae“ mit dem Fest am 15. August „Maria Himmelfahrt“ zum Ziel zahlreicher Marienwallfahrten entwickelte. Die Kirche besitzt eine bedeutende Reliquie des heiligen Lambertus als Schutzpatron der Diözese Lüttich. Daher ist anzunehmen, dass die Kirche zu Neundorf diese Reliquie einst von der bischöflichen Behörde in Lüttich als Geschenk erhielt. Wann diese Schenkung erfolgte, lässt sich urkundlich nicht greifen.
Der Königshof Neundorf findet bereits seit dem 9. Jahrhundert als Nova villa urkundliche Erwähnung. Für den gesamten Bereich des Hofgebietes wurde schon früh eine Kirche in Neundorf errichtet, die als Pfarrkirche für den ganzen Königshof einschließlich der Siedlung St. Vith zuständig war. Eine befriedigende Erklärung für die ungewöhnliche Lage der Kirche außerhalb des Dorfkerns blieb bislang aus. Diskutiert wurde, ob dem bei der Kirche gelegenen „Heiligenborn“ als frühe christliche Kultstätte und Heilquelle möglicherweise eine entscheidende Bedeutung zukam.
Die Bedeutung von St. Vith nahm durch die Erhebung als Zollstätte und Marktort zu; der Einfluss von Neundorf schwand hingegen durch die abseitige Lage. Die St.-Vitus-Kirche wurde um 1600 ebenfalls zur Pfarrkirche erhoben. Der Pfarrer von Neundorf verlegte daraufhin seinen Pfarrsitz nach St. Vith, von wo aus er beide Pfarrsprengel betreute. In St. Vith wurden die Pfarrbücher geführt, hier fanden die Taufen und Trauungen statt. Die Pfarrstelle von St. Vith wurde zumeist aus dem Kloster Stavelot besetzt. Bis 1803 amtierte in Neundorf ein Vikar des Pfarrers von St. Vith.

Die Ereignisse der Französischen Revolution brachten eine Neuordnung der Pfarreien mit sich. Die Neuregelung von 1803 führte zu einer Trennung der Pfarre St. Vith von Neundorf. St. Vith entwickelte sich zu einer selbständigen Pfarre, die 1804 sogar zur „Cantonspfarre“ erhoben wurde. Neundorf blieb Pfarre und behielt Galhausen und Neubrück, von der alten Pfarre erhielt Neundorf Thommen, die Ortschaft Weisten und den Thommener Anteil von Crombach und Hinderhausen.

Folgende Pfarrer der Pfarre Neundorf-St. Vith lassen sich nachweisen:

  1. Ioannes de Marinage: 1311.
  2. Ioannes von Schönenberg, alias Stornenberg: 1345.
  3. Tilmann, filius ballistarii Ägidius de Luxemburg: seit 1345.
  4. Judocus: 1345.
  5. Ioannes Lanbar, alias Lanbiers: 1442-1461.
  6. Ioannes Leonardi: † 1467.
  7. Ioannes Le Jone: seit 1467.
  8. Ioannes Schlawart: † 1544.
  9. Quirin Merinck: seit 1544.
  10. Henri de Huart: 1587-1614.
  11. Nicolaus Molitoris: 1614-1615.
  12. Ioannes Sylvius, Franziskaner: 1616.
  13. Nicolaus Masius: 1618-1622.
  14. Dom Pierre de Bra: † 1623.
  15. Cornelius Recht: 1623-1632.
  16. Paulus Campen: 1632-1654.
  17. Petrus Dhaem: 1654.
  18. Dom Gilles de Lymbour, Mönch von Malmedy: 1655.
  19. Valentinus Ratscheid: 1659-1671.
  20. Petrus Heugem (Heuem): 1671-1721.
  21. Ioannes Franciscus Sauvage: 1721-1745.
  22. Laurent-Barthelemy Gillaume Sauvage: 1745-1751.
  23. Johann Georg Neunheuser: 1752-1798.
  24. Johann Peter Becker: 1798-1800.
  25. Franz Joseph Lejeune: 1800-1813.
  26. Nikolaus Krings: 1798-1809 (Pfarrer in Thommen und Pfarrverwalter von Neundorf).
  27. Martin Mertens: 1809-1816 (Pfarrer von Neundorf).
  28. Lambert Meyer: 1816-1830 (Pfarrer von Neundorf).
  29. F. Boever: 1831 (Administrator von Neundorf).
  30. Nikolaus Faltz: 1831-1871 (Pfarrer von Neundorf).
  31. Joh. Baptist Kinnen: 1871-1902 (Pfarrer von Neundorf).
  32. Joh. Baptist Stoos: 1902-1913 (Pfarrer von Neundorf).
  33. Hubert Lassaulx: 1914-1923 (Pfarrer von Neundorf).
  34. Michael Litterscheidt: 1923-1924 (Pfarrer von Neundorf).
  35. Peter Nikolaus Reuter: 1924-1966 (Pfarrer von Neundorf).
  36. Leonard Meyer: 1966-1980 (Pfarrer von Neundorf).
  37. Marcel Lennerts: 1980-1990 (Pfarrer von Neundorf):

BEFUGNISSE UND TÄTIGKEITEN
Gemäß dem Dekret des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft über die materielle Organisation und die Funktionsweise der anerkannten Kulte vom 19. Mai 2008 obliegt der Kirchenfabrik der Erhalt und der Unterhalt der Kirchen und Kapellen ihres Zuständigkeitsbereichs sowie die Verwaltung der Güter und der Finanzmittel, deren Eigentümer sie ist oder die für sie bestimmt sind.
Der Pfarrer hingegen ist zuständig für alle seelsorglichen Belange der Gemeinde.

ORGANISATION
Die Organisation der Pfarreien bzw. der Kirchenfabriken haben sich seit ihrer Einführung zu Beginn des 19. Jahrhunderts immer wieder verändert. Auf jede einzelne dieser Veränderungen soll hier nicht eingegangen werden, sie lassen sich aus den Akten nachvollziehen.
Die aktuelle Organisation der Kirchenfabriken wird geregelt durch das Dekret des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft über die materielle Organisation und die Funktionsweise der anerkannten Kulte vom 19. Mai 2008. Demnach ist der Kirchenfabrikrat mit der Verwaltung der Kirchenfabrik betraut. Der Rat besteht in der Regel aus fünf gewählten Mitgliedern sowie dem Pfarrer und dem Bürgermeister bzw. deren Stellvertretern. Der Rat trifft sich fünf Mal im Jahr.
Der Präsident vertritt den Kirchenfabrikrat nach außen, er beruft Versammlungen ein und leitet diese. Der Sekretär ist verantwortlich für das Abfassen der Beschlüsse, die Führung des Protokollbuches und er übernimmt sämtliche Eintragungen von Stiftungs- und Eigentumsurkunden sowie Pacht- und Mietverträgen in ein Hauptbuch. Zudem ist er mit der Übermittlung aller erforderlichen Unterlagen an die Behörden betraut, erstellt und aktualisiert das Inventar und ist für die Führung des Archivs verantwortlich. Präsident und Sekretär unterzeichnen zusammen Beschlüsse, Korrespondenzen und das Protokollbuch. Der Rendant schließlich ist für die Finanzverwaltung der Kirchenfabrik im Speziellen verantwortlich.


ARCHIVBESTAND

GESCHICHTE DES ARCHIVBESTANDES
Das historische Archiv der Pfarrei Kirchenfabrik Neundorf wurde bis 2013 im Erdgeschoss des Pfarrhauses in Neundorf aufbewahrt. Eine Übersicht über die Bestände des Pfarrarchivs Neundorf aus dem Jahre 1909 und den bis heute überlieferten Akten bietet daneben die Zusammenstellung von Krudewig.
Während der Ardennenoffensive 1944 wurde die Neundorfer Kirche z. T. zerstört. Es ist anzunehmen, dass Teile des Archivs durch die Zerstörungen verlorengegangen sind; gesicherte Erkenntnisse hierüber liegen nicht vor.
Neben der Neundorfer Überlieferung enthält der vorliegende Archivbestand auch Teile des Archivs der Kapellen zu Crombach, Hinderhausen und Weisten.

ÜBERNAHME DES BESTANDES
Eine erste Inspektion des Archivs der Kirchenfabrik Mariä Himmelfahrt in Neundorf wurde am 4. April 2013 von Dr. René Rohrkamp durchgeführt. In seinem Inspektionsbericht empfahl er den Pfarrverantwortlichen, das in Neundorf lagernde Archivgut in das Staatsarchiv in Eupen zu überführen, um dort sachkundig inventarisieren, verpacken und lagern zu lassen.
Die Pfarrverantwortlichen beherzigten diese Empfehlung und am 11.7.2013 wurde – mit Ausnahme der für die Arbeit der Kirchenfabrik benötigten Akten – das Archiv der Pfarrei Neundorf als Deponat ins Eupener Staatsarchiv überführt. Grundlage für das Deponat ist ein am 19.4.2013 zwischen der Kirchenfabrik in Neundorf und dem Generalstaatsarchiv und den Staatsarchiven in den Provinzen abgeschlossener Depositalvertrag mit einer zunächst 30-jährigen Laufzeit. Der Vertrag verlängert sich automatisch, wenn keine der Vertragsparteien dagegen Einspruch erhebt.

INHALT UND STRUKTUR

Der Bestand der Pfarrei Mariä Himmelfahrt zu Neundorf umfasst 33 Verzeichnungseinheiten der folgenden Archivbildner:
Teil I: Archiv der Kirchenfabrik (30 Verzeichnungseinheiten),
Teil II: Archiv des Pfarrers (3 Verzeichnungseinheiten),
Die Gesamtlaufzeit der Archivalien umfasst die Zeitspanne von 1704-1990. Der Schwerpunkt des Bestandes liegt jedoch im 19. und 20. Jahrhundert.


Inhaltlich bestehen die Archive der Kirchenfabriken vorrangig aus Stiftungs-, Vermögens- und Pachtverzeichnissen sowie Rechnungen und Unterlagen zur Verwaltung des Grund¬be-sitzes. Das Archiv des Pfarrers besteht aus Konfirmationslisten und einer Pfarrchronik.

Die Aufteilung des Inventars entspricht der Zuordnung der Akten zu den unter III. A Inhalt genannten Archivbildnern sowie den allgemeingültigen Regeln des Belgischen Staatsarchivs für die Inventarisierung von Pfarrarchiven.