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Kirchenfabrik und andere Einrichtungen der Pfarrei St. Stephanus zu Reuland

Kirchenfabrik und andere Einrichtungen der Pfarrei St. Stephanus zu Reuland

Der nachstehende Beitrag behandelt die Geschichte der Institution Pfarrei St. Stephanus in Reuland zwischen 1330 und 1975. Er wurde im Rahmen der Inventarisierung der Akten der Pfarren durch das Staatsarchiv in Eupen erstellt. Ursprünglich enthält der vorliegende Text weiterführende Informationen und Fußnoten. Diese Informationen können in der Printversion des Inventars konsultiert werden.

Alle Akten, die mit der Pfarrei St. Stephanus zu tun haben und sich im Staatsarchiv in Eupen befinden, können im Prinzip im Staatsarchiv in Eupen eingesehen werden. Es können für Teile der Akten auch anderslautende Bestimmungen in Bezug auf die Einsichtnahme existieren.

Falls Sie weitere Informationen zu der Institution benötigen oder gerne Akten einsehen möchten, können Sie sich gerne an das Staatsarchiv in Eupen wenden: staatsarchiv.eupen@arch.be

DIE PFARREI REULAND, IHRE GESCHICHTE UND IHR ARCHIV

Die Ortsbezeichnung Reuland (Reu-, vom germanischen rugi = rauh, das heißt: mit Gestrüpp bewachsen) erscheint erstmals 1128 im Namen des Abtes Johann von Stavelot-Malmedy, der 1130 verschied. Als weitere Angehörige dieser zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestorbenen Familie werden unter anderem genannt: 1148 „Walterus de Rulant“; Dietrich, der 1189 bei der Belagerung Akkons als Kreuzfahrer fiel; Walter und Kuno, die 1198 als Zeugen in einer Urkunde Kaiser Ottos IV. auftraten, sowie 1252 der Aachener Stiftsherr „Alexander de Rulant“.

Bis zum Ende des Ancien Régime war der Ort Mittelpunkt einer Herrschaft oder Freiheit im Herzogtum Luxemburg. Den Herrn von Reuland gehörte auch ein Drittel des Hofes Thommen, der schon 814 in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen erwähnt wurde. Für den Reuländer Anteil am Hofe Thommen wurde ein eigener Mayer bestellt, der gemeinsam mit den Schöffen die Gerichtsbarkeit ausübte. Seit 1384 war mit der Herrschaft Reuland die luxemburgische Erbkämmererwürde verbunden.

Die auf einem in das Tal der Ulf hineinragenden Hang gelegene, mächtige mittelalterliche Burganlage der Herrn von Reuland wurde im 16. und 17. Jahrhundert durch umfangreiche Arbeiten weiter gesichert und ausgebaut.

Nach der Annexion des Luxemburger Landes durch die Französische Republik am 1. Oktober 1795 kam Reuland an das Ourthedepartement und wurde Sitz einer Kantonalverwaltung, die für die Ortschaften Aldringen, Alster, Auel, Bracht, Braunlauf, Crombach, Deiffelt, Dürler, Espeler, Grüfflingen, Lascheid, Lengeler, Maldingen, Malscheid, Maspelt, Oberhausen, Ouren, Ourthe, Reuland, Steffeshausen, Stoubach, Thommen und Weweler zuständig war. Im Jahre 1800 hob die französische Konsularregierung den Kanton Reuland auf. Reuland erhielt den Status einer „Mairie“, die ebenfalls Alster, Auel, Bracht, Dürler, Espeler, Lascheid, Lengeler, Malscheid, Maspelt, Oberhausen, Ouren, Steffeshausen, Stoubach und Weweler umfaßte.

Die Reuländer Burganlage wurde während der Franzosenzeit zu einem großen Teil geschleift. Sie ist erst in jüngster Zeit umfassend restauriert worden.

Unter preußischer Herrschaft, von 1815 bis 1920, bildete der Bezirk der ehemaligen „Mairie de Reuland“ unter dem Namen Burgreuland eine Bürgermeisterei der Rheinprovinz. Sie gehörte zuerst zum Kreis St. Vith und, nach dessen Aufhebung im Jahre 1821, zum Kreis Malmedy, dessen übergeordnete Verwaltungsbehörde die Regierung Aachen war.

Mit Beginn der belgischen Zeit im Jahre 1920 kam die nun Burg-Reuland geschriebene Gemeinde an den wieder errichteten Kanton St. Vith, der 1925 dem Bezirk Verviers und der Provinz Lüttich zugeteilt wurde.

Zwischen Mai 1940 und September 1944 galt erneut die deutsche Verwaltungseinteilung. Die Bürgermeisterei Reuland, bestehend aus den früheren Gemeinden Burg-Reuland und Thommen, wurde mit der Gemeinde Beho (ohne Commanster) im Amt Burg-Reuland zusammengefaßt. Dieses gehörte zum Kreis Malmedy, einer Unterteilung des Regierungsbezirks Aachen.

Bei Kriegsende kam die Gemeinde Burg-Reuland wieder an den Kanton St. Vith und mit diesem an den Bezirk Verviers und die Provinz Lüttich.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung von 1976 legte der Gesetzgeber die Gemeinden Burg-Reuland und Thommen zusammen. Die neue Großgemeinde trägt den Namen Burg-Reuland, dehnt sich über eine Fläche von 10.895 ha 99 a 84 ca aus und zählt 3762 Einwohner (Stand: 1. Januar 1996).

I. DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER PFARREI

Eine Kapelle in „Rulant“ wird erstmals in einer von Abt Alardus von Stavelot-Malmedy 1213 ausgestellten Urkunde erwähnt. Darin übertrug der Abt dem Herrn von Reuland die Kollatur der Pfarrei Thommen, verband mit diesem Vorrecht jedoch die Auflage, daß der jeweilige Pfarrer von Thommen auch den Dienst in der Kapelle von Reuland sicherstelle. Erster namentlich bekannter „capellanus in Rulant“ ist ein gewisser „Johannes“, der in einer Urkunde des Jahres 1330 gleichzeitig mit dem verstorbenen „Theoderici dicti de Rulant, quondam pastoris bone memorie“ genannt wird (siehe Inventarnummer P116) . Dieser Dietrich von Reuland war zu seinen Lebzeiten wohl als Pfarrer von Thommen tätig gewesen.

Im Jahre 1336 wird die im Ulftal liegende und „Unserer Lieben Frau“ geweihte Reuländer Kapelle als „uralt“ und „ganz baufällig“ beschrieben. 1410 schenkten „Diederich von Endelsdorff“, Herr zu Wildenburg und Reuland, und seine Frau „Beatrix von Harffe“ dem „goeden heiligen sent Mertin in die kirchen zu Ruland“ den dortigen Bannofen samt Zubehör. Aus den Erträgen dieser Schenkung sollten die „mompere“ das „heillich sacrament zu Ruland in der kirchen beloichten doin“ (siehe Inventarnummer K170).

Die Momper waren in der Regel Laien, die die Priester in allen die Pfarrei angehenden materiellen Belangen vertraten. Aus den im Pfarrarchiv Reuland befindlichen Urkunden ist im übrigen unschwer zu ersehen, daß sie diese Aufgabe weitgehend selbständig wahrnahmen und die Pfarrgeistlichen, wenn überhaupt, bei den verschiedenen Transaktionen und Verwaltungsvorgängen lediglich als Zeugen anwesend waren.

Bei dem in der Urkunde von 1410 erwähnten, dem hl. Martin geweihten oder zumindest mit einem Martinusaltar versehenen Gotteshaus in Reuland handelte es sich wohl um die dortige Burgkapelle. Bekräftigt wird diese Vermutung durch die 1707 im „Pouillé“ – der Aufstellung der Pfarreien und Kirchen der Diözese Lüttich – vorgenommenen klaren Unterscheidung zwischen der Reuländer Kapelle „Unserer Lieben Frau“ und dem St.-Martins-Benefizium „im Schloß“. Möglicherweise hatte man das Altarssakrament wegen des schlechten Zustandes der Kapelle Unserer Lieben Frau im 14. oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts in die Burgkapelle übertragen.

Für das Jahr 1487 ist allerdings überliefert, daß in der Kapelle Unserer Lieben Frau mehrere gestiftete Messen zu lesen waren und die „Kermiss zu Ruland“ am Feste Mariä Heimsuchung gefeiert wurde (siehe Inventarnummer K171). Augenscheinlich war das 1336 dem Verfall nahe Gotteshaus im Laufe des 15. Jahrhunderts wieder restauriert oder vielleicht sogar von Grund auf neu errichtet worden. Die Existenz von Mompern der Kapelle Unserer Lieben Frau ist erstmals für das Jahr 1508 belegt (siehe Inventarnummer K174); 1597 wird eine Bruderschaft an der Reuländer Kapelle erwähnt (siehe Inventarnummer K176).

Anläßlich einer Visitation der Reuländer Kapelle durch den Erzdiakon der Ardennen im Jahre 1604 wird neben der Gottesmutter Maria erstmals auch der hl. Stephanus als Patron derselben genannt.

Bis 1803 bildete Reuland zusammen mit den Ortschaften Alster, Bracht, Lascheid und Weweler einen gemeinsamen Pfarrverband im Dekanat Stavelot, das ein Teil des Erzdiakonats Ardennen im Bistum Lüttich war. Pfarrkirche war St. Hubertus in Weweler, wo noch heute der Friedhof der Pfarrei Reuland liegt. Weweler und seine Kirche erscheinen erstmals in einer nicht näher datierten Urkunde des 14. Jahrhunderts (siehe Inventarnummer K211). Für den gleichen Zeitraum ist auch die Stiftung mehrerer Jahrgedächtnisse in der Kirche von Weweler belegt. In einer Urkunde aus dem Jahre 1411 ist zudem die Rede von einer „sent Hupritz broderschaft zu Wewilre“ (siehe Inventarnummer P76). Die älteste bekannte Erwähnung von Kirchenverwaltern in Weweler findet sich ebenfalls in dieser Urkunde, die „Johan van Lanschyt“ und „Johan van Wewilre“ als „mompere“ der Hubertusbruderschaft nennt; 1426 hingegen werden „Schieltzen van Lantscheidt den alden“ und „Peter Wangen van Bracht“ ausdrücklich als Momper „der kirchen zu Wewiler“ bezeichnet (siehe Inventarnummer K212). Mit einem gewissen „Nicolaus“ wird 1495 erstmals auch ein Pfarrer in Weweler genannt. Die Kollatur der Pfarrei Weweler-Reuland besaß der Herr von Reuland.

Wann sich der Pfarrverband Weweler-Reuland von der Mutterpfarre Thommen getrennt hat, bleibt nach wie vor offen. In einer Urkunde vom Jahre 1426 ist bereits von einem „kirspel“ (Kirchspiel) Weweler die Rede (siehe Inventarnummer K212) und in einem Abkommen aus dem Jahre 1471 bez. des Wiederaufbaus des Kirchturms von Thommen wird deutlich zwischen den Pfarrangehörigen von Thommen einerseits und den „Pfarrleuth“ von „Ruland“ und „Wyefelre“ andererseits unterschieden. Zu bemerken ist, daß mehrere zwischen 1506 und 1522 ausgestellte Schriftstücke, die entweder die Pfarrkirche St. Hubertus in Weweler oder die Kapelle Unserer Lieben Frau in Reuland betreffen, noch vom Pfarrer von Thommen beglaubigt werden.

Bei einer Übereinkunft des „Schiltz van Inghne“ und seiner Ehefrau „Margreit“ mit den „momperen van Wewiler“ ist 1521 „H. Johantz Schiltz van Lantscheit“ in seiner Eigenschaft als „Pastoir zo Rulandt“ anwesend. In seinem Verzeichnis der Kunstdenkmäler von Eupen-Malmedy beschreibt Prof. Dr. Heribert Reiners eine 1924 zerschlagene Grabplatte aus der Kirche in Weweler, die laut mündlicher Überlieferung folgende Inschrift getragen haben soll: „Anno Domini 1562 Die 19. Februarii obiit Dominus Michael Inyrsch Pastor in Thommen cuius anima requiescat in pace. Amen“ . Es ist sehr wahrscheinlich, daß es sich bei „Inyrsch“ um eine fehlerhafte Lesung des Namens „Luysch“ handelt. Tatsächlich führt eine 1804 aufgestellte Anniversarienliste der Kirche in Weweler (siehe Inventarnummer K57) an erster Stelle Michael und Johannes Leusch, „Pastoren in Reuland“, auf. Mit Michael Leusch identisch ist wohl auch der in einem Inventar des Staatsarchivs Luxemburg für das Jahr 1555 als Pfarrer von Thommen erwähnte Michael „Lusch“. Darüber hinaus ist es durchaus denkbar, daß es sich bei dem in einem anderen Inventar des Staatsarchivs Luxemburg 1558 vorkommenden Michael „Lenz“, Pfarrer in Reuland, ebenfalls um Michael Leusch handelte, dessen Name also einmal mehr schlecht entziffert worden war.

Der Umstand, daß sich Johann Schiltz van Lantscheit sowie Michael und Johannes Leusch nicht als Pfarrer von Weweler sondern „von Reuland“ bezeichneten, macht deutlich, daß die Ortschaft Reuland innerhalb der Pfarrei Weweler sowohl als Sitz der Herrschaft als auch von der Einwohnerzahl her mittlerweile eine herausragende Stellung einnahm. Kirchenrechtlich war und blieb Reuland jedoch bis zum Ende des Ancien Régime eine Kapellengemeinde; desgleichen nahm man in den offiziellen Schriftstücken zwischen der „Pfarrkirche“ in Weweler und der „Kapelle“ in Reuland stets eine Unterscheidung vor. Die Pfarrer des 17. und 18. Jahrhunderts nannten sich meistens nach Reuland, gelegentlich nach „Weweler und Reuland“, nur selten ausschließlich nach der Ortschaft Weweler. Spätestens seit 1668 residierten die Pfarrer ständig in Reuland.

Das älteste, den Zeitraum von 1661 bis 1773 umspannende Tauf-, Heirats- und Totenbuch bezieht sich auf die Bevölkerung „in pastoratum de Reullandt“; der zweite, von 1773 bis 1778 reichende Band ist überschrieben: „Liber baptizatorum, conjugatorum, ac mortuorum Parochiae de Weweler, et Reuland“; Band III, der von 1779 bis 1783 reicht, und Band IV, von 1784 bis 1797, weisen gleichfalls beide Ortsnamen auf.

Während fast alle Bestattungen auf dem Kirchhof in Weweler vorgenommen und lediglich einige wenige Personen von Stand in der Pfarrkirche in Weweler oder in der Kapelle Unserer Lieben Frau in Reuland bzw. in der dortigen Burgkapelle beigesetzt wurden, spendeten die Pfarrpriester das Sakrament der Taufe nicht nur in Weweler und Reuland, sondern gelegentlich ebenfalls in den in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichteten Kapellen von Bracht und Lascheid. Hier fanden auch Trauungen statt. Ausschlaggebend war der Wohnsitz der Eltern des Täuflings bzw. der Braut.

Zwischen 1583 und 1611 trat „Iohannes Orep“ aus „St. Veit“ sowohl als Pfarrer von Weweler und Reuland als auch als Personatist zu Thommen auf. Als Personate wurden die mit kirchlicher Genehmigung in eine weltliche Herrschaft inkorporierten kirchlichen Gebäude und Zehnten bezeichnet. Der jeweilige vom Herrn von Reuland präsentierte Personatist galt als rechtlicher Pfarrherr von Thommen und bezog ohne jede seelsorgliche Verpflichtung den Hauptanteil des Zehnten, während ein ebenfalls vom Reuländer Herrn ernannter „vicarius“, lebenslänglich und vom Personatisten durchaus unabhängig, als eigentlicher Pfarrer von Thommen dortselbst die Seelsorge versah.

Als Pfarrer von Weweler und Reuland sowie Personatist zu Thommen wirkte wohl von 1612 bis 1632 Johann Andres (oder Andreas) aus St. Vith, der 1614 zuerst als „Pastor zu Thommen“, dann als „Pastor zu Rulant und Tombis“ betitelt wurde, und 1618 schließlich als „Priester, Personat zu Thommen und Pastor allhir zu Reulandt“ zeichnete. Allerdings vermerken die Akten des Lütticher Bistumsarchivs für das Jahr 1613 die Ernennung eines gewissen Jakob Rotarius zum „Rektor“ in Weweler und für 1615 melden sie, daß Franz Croniensis mit der Ausübung der Pfarrerfunktionen in Reuland beauftragt worden sei. Wahrscheinlich hatte Johann Andres den Schwerpunkt seiner Tätigkeit erst im Laufe der Jahre von Thommen nach Reuland verlegt – worauf ja auch die ver-schiedenen Betitelungen hinweisen – und die Seelsorge in Reuland Stellvertretern übertragen. Möglich ist aber auch, daß er als Personatist die Einkünfte aus beiden Pfarreien bezog und seelsorgerisch weder in Thommen noch in Reuland aktiv wurde. Die Inschrift auf seinem Grabstein in der Pfarrkirche zu Weweler, die ihn als „Pastor Personatus in Tombis et Reuland“ bezeichnet, spricht eher für diese zweite Annahme.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ließ der damalige Herr von Reuland, Balthasar von Pallant, die Kapelle Unserer Lieben Frau vermutlich neu errichten oder zumindest umfassend restaurieren. Außer Wappen und Inschriftsteinen verweist ein kleiner Pergamentzettel im Pfarrarchiv auf diesen Vorgang. Aus diesem Schriftstück geht hervor, daß der Lütticher Weihbischof André Strengnart am 15. Oktober 1605 in Reuland weilte (siehe Inventarnummer P94). Inhalt und Form der Urkunde lassen den Schluß zu, daß er Reliquien überbrachte, was wiederum darauf hindeuten könnte, daß eine Altarweihe stattfand.

Nach Pfarrer Andres‘ Tod ernannte der Erzdiakon der Ardennen am 30. September 1632 den Priester Heinrich Nicolay zum Pfarrer von Reuland und Personatisten zu Thommen. Da am 4. Juli 1636 Johann Clenterus (oder Clentenus), bisher Kaplan in Reuland, das Personat von Thommen erhielt, ist anzunehmen, daß Nicolay zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr amtierte. Ob Clenterus auch als Pfarrer von Weweler und Reuland tätig war, konnte nicht geklärt werden.

Nächster namentlich bekannter Pfarrer von Weweler-Reuland und Personatist zu Thommen war sodann um 1661 Heinrich Rymais. Sein Nachfolger in beiden Ämtern wurde 1662 Matthäus Breidtfeldt, „ex pago Breidtfeldt vitensis“, der am 28. November 1708, im Alter von 76 Jahren, starb. Ihm folgte als Pfarrer von Weweler und Reuland 1710 Nikolaus Reuter nach, dem 1728 ebenfalls das Personat zu Thommen übertragen wurde. 1735 überließ Reuter seinem Neffen Johann Roloff die Pfarrei Weweler-Reuland, behielt aber bis zu seinem Tode am 29. November 1741 das Personat Thommen bei. Johann Roloff, der 1741 erstmals auch als Personatist zu Thommen zeichnete, verzichtete 1763 zugunsten von Josef Ludwigh auf die Pfarre Weweler-Reuland, blieb jedoch, wie sein Vorgänger, bis zu seinem Tode am 23. Juni 1767 Personatist zu Thommen. Pfarrer Josef Ludwigh verstarb am 26. September 1784. Sein Nachfolger wurde 1785 Johann Josef Peter Wolff, der bereits seit 1767 das Personat Thommen innehatte; Wolff verschied am 28. Juni 1794 an einem „ansteckenden Fieber“.
Nach ihm amtierte Nikolaus Schmitz von 1795 bis zu seinem Tode im Jahre 1803 als Pfarrer von Weweler-Reuland.

Folgende Priester waren vor 1803 als Kapläne („vicarius, sacellanus, sacellanus domesticus“), Frühmessner („primissarius“) oder Hilfsgeistliche in der Pfarrei Weweler-Reuland tätig bzw. ohne nähere Amtsbezeichnung („sacerdos“) dort ansässig: Heinrich Giel (um 1606), Michael Ulflinghen (um 1618), Johann Clenterus (oder Clentenus) (um 1620 und 1621), Matthäus Breidtfeldt (um 1661), Johann Michael Corneli (um 1663), Ägidius Franz Jacobs (um 1666), Martin Urbani (um 1698), Nikolaus Reuter (um 1701 – um 1708 mehrmals als „Schloßkaplan“ erwähnt, 1709-1710 Pfarrverwalter), Johann Baum (um 1710-um 1719), Nikolaus Schäler (um 1725), Paul Jodoci (um 1728-um 1729), Johann Roloff (um 1733-um 1734), Philipp Gerardy (um 1739-1779), Anton Becker (um 1742-um 1745), Johann Heinrich Keller (um 1746-um 1752), J.W. Frings (um 1753), Johann Peter (oder Paul) Schmitz (um 1753-um 1758), Anton Schmitz (um 1755-um 1774), Christoph Pinth (um 1757), Peter Valentiny (um 1759), Christoph Ludwigh (um 1760 und 1774, 1784-1785 als Pfarrverwalter), Josef Ludwigh (um 1760-um 1761), Valentin Geury (um 1763), Servatius Stephany (um 1763), Johann Michael Colles (oder Collessen) (um 1765-um 1769), Johann Frassel (um 1768-um 1773), Johann Kolff (um 1770), Johann Meyer (um 1770-um 1771), Johann Jakob Hermanns (um 1772-um 1773 in Reuland, um 1799-um 1805 in Bracht), Peter Clössener (oder Cloesner) (um 1777), Johann Arens (1777-1793), Johann Georg Mayeres (1777-1799), Matthias Marth (um 1778), Johann Baptist Humartus (um 1779 in Bracht), Johann Böss (um 1783-um 1792 in Bracht), Matthias Göbel (um 1785 in Maspelt), Franz Peters (um 1786 in Lascheid), Nikolaus Berchels (um 1787 in Lascheid), Emmerich Harthard Damian Wolff (1794 als Pfarrverwalter), Heinrich Hahn (1794-1795 als Pfarrverwalter), Peter Schaack (um 1796 in Lascheid) .

Bei der konkordatären Neuordnung des Bistums Lüttich im Jahre 1803 wurde der Sitz der Pfarrei Weweler-Reuland endgültig nach Reuland verlegt. Die Pfarrei Reuland, jetzt ausdrücklich unter dem Patronat des hl. Stephanus stehend, erhielt den Rang einer „succursale“ (Hilfspfarrei) und wurde neu umschrieben. Hierarchischer Vorgesetzter des Pfarrers – nun „desservant“ genannt – war der Kantonalpfarrer von St. Vith. Neben Reuland umfaßte die neue Pfarre die Weiler Alster, Bracht, Lascheid, Maspelt und Weweler. Im Jahre 1869 kam der diesseits der Our gelegene Teil der Ortschaft Stoubach hinzu.

Im Jahre 1807 richteten der „Maire“ von Reuland und eine Reihe von Einwohnern der Ortschaft Bracht an den Lütticher Bischof Zaepffel die Bitte, die Kapelle in Bracht offiziell zu einer Hilfskirche („chapelle auxiliaire“) in der Pfarrei Reuland zu erheben. Diesem Gesuch scheint aber nicht stattgegeben worden zu sein, denn in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts schreibt der damalige Reuländer Pfarrer bez. der Kapelle in Bracht, daß sie „nicht zu den anerkannten“ gehöre. Die in Bracht wohnenden „Vikare“ seien „bei der Pfarrkirche adscribiert“. Von einer „Kapellengemeinde“ könne „ebenwenig die Rede sein, da nie ein Kapellensystem dort errichtet worden“ sei (siehe Inventarnummer K24), eine Ansicht, die 1872 vom erzbischöflichen Ordinariat in Köln ausdrücklich bestätigt wurde. Dennoch ist beispielsweise im Schematismus der Erzdiözese Köln von 1888 die Rede vom „Pfarrektorate“ Bracht.

Im Jahre 1818 wurde die bis dahin zur Diözese Lüttich gehörende Pfarrei dem Generalvikar des 1802 errichteten Bistums Aachen, den der Hl. Stuhl zum Apostolischen Administrator u.a. des Kantons St. Vith bestimmt hatte, unterstellt. Infolge der päpstlichen Bulle „De salute animarum“ kam die Pfarrei Reuland 1821 an die wiederhergestellte Erzdiözese Köln und innerhalb derselben an das Dekanat St. Vith. Mit diesem wurde sie 1921 dem Bistum Eupen-Malmedy und 1925 erneut dem Bistum Lüttich zugeteilt. Die Kapelle in Bracht erhielt 1921 den Status eines Rektorates in der Pfarrei Reuland. Wie das gesamte Dekanat St. Vith stand letztere, bedingt durch die politischen Verhältnisse, von Juni 1940 bis zum Herbst 1944 unter der Verwaltung der Diözese Aachen, ohne jedoch kirchenrechtlich dorthin eingegliedert zu sein.

Die heutige Reuländer Pfarrkirche wurde 1771-1772 durch den Baumeister Ferdinand Starck aus Recht errichtet (siehe Inventarnummer K113). Im Jahre 1869 baute man eine Sakristei an. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche 1912-1913, als die bis dahin einschiffige Anlage mit einem Seitenschiff, einem Querhaus, einem neuen Chor und einer neuen Sakristei versehen wurde (siehe Inventarnummern K119-K122).

Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts scheinbar noch immer nicht völlig geklärte Frage des Pfarr- und Kirchenpatrons wurde 1864 auf Anfrage des damaligen Pfarrers vom Kölner Generalvikariat dahingehend beschieden, daß der „Erzmärtyrer Stephanus als … Hauptpatron … zu betrachten und zu feiern“ sei (siehe Inventarnummer P57).

Das jetzige Pfarrhaus war in früherer Zeit Sitz des Schultheißen und des Gerichts. Pfarrer Matthäus Breidtfeldt erwarb 1668 das neben dem Wohntrakt auch noch „Ökonomiegebäude“ umfassende Anwesen (siehe Inventarnummer K97) und vermachte es testamentarisch der Kapelle Unserer Lieben Frau in Reuland. Die förmliche Übergabe fand 1711 statt (siehe Inventarnummer K186) und 1713 bezog Breidtfeldts Nachfolger, Nikolaus Reuter, das Haus (siehe Inventarnummer K112). Pfarrer Roloff ließ 1765 im Hang hinter dem Pfarrhaus einen Keller „mit Überbau“ sowie eine Stützmauer errichten (siehe Inventarnummer K124). Umfangreiche Arbeiten in den Jahren 1900-1902 und 1964-1965 haben das äußere Erscheinungsbild des Reuländer Pfarrhauses entscheidend verändert (siehe Inventarnummern K128-K134).

Nach 1803 waren als Pfarrer in Reuland tätig: Anton Krost (1803-1822), Jakob Zanen (oder Zahnen) (1822-1847), Winand Brender (1848-1858), Hubert Heydhausen (1862-1868), Heinrich Kappes (1868-1886), Johann Jakob Büschgens (1888-1917, seit 1908 auch Dechant des Dekanates St. Vith), Heinrich Cordewener (1917-1957), Nikolaus Scheiff (1957-1977), Willy Kessel (seit 1977). Derzeit ist Pfarrer Kessel auch für die Pfarreien Ouren und Steffeshausen zuständig.

Um 1860 verwaltete der damalige Pfarrer von Steffeshausen, Brassen, zeitweise auch die Pfarrei Reuland. Vom 1. Oktober 1886 bis zum 1. April 1887 war der Steffeshausener Pfarrverwalter Müller für den Reuländer Sprengel mitverantwortlich.

Als in Reuland residierende Kapläne werden nach 1803 genannt: Josef Arens (1803-1808), Andreas Arens (vielleicht seit seiner Priesterweihe 1810), J. Posch (um 1822-um 1823). Andreas Arens war der letzte „Pfarrvikar“ in Reuland. Nachdem die Regierung Aachen 1833 sein im Haushaltsplan der Pfarrei für das Jahr 1834 aufgeführtes Gehalt nicht genehmigt hatte, legte Arens sein Amt nieder und zog sich, in Erwartung „einer anderen Verfügung“, auf sein Elternteil in Lascheid zurück. Vom damaligen Dechanten als „einer der fähigsten Geistlichen“ im Dekanate St. Vith bezeichnet, lehnte er eine anderweitige Ernennung ab und lebte von 1836 bis zu seinem 1849 erfolgten Tode als Hilfsgeistlicher mit einer teils von der Zivil- teils von der Pfarrgemeinde bereitgestellten Besoldung von insgesamt 400 Fr. im Jahr in Lascheid. Bereits 1835 hatte das Kölner Generalvikariat die Bezeichnung eines Vikars für Reuland als „nicht unbedingt erforderlich“ angesehen und 1840 eine solche Bezeichnung sogar mit der Begründung verweigert, daß das Gehalt des Vikars „nicht gesichert“ sei .

Diese Vorgehensweise war sicherlich auch darauf zurückzuführen, daß dem Pfarrer von Reuland seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein weiterer, allerdings in Bracht residierender Kaplan zur Seite stand, der zudem den Schulunterricht für die Kinder der Ortschaften Alster, Bracht und Maspelt erteilte. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernahmen weltliche Lehrkräfte diesen Unterricht. Nachstehende Liste, die die Vikare bzw. Rektoren an der Kapelle in Bracht seit 1803 aufführt, zeigt, daß auch diese Seelsorgestelle nicht regelmäßig besetzt wurde: Johann Jakob Hermanns (um 1805), Peter Hack (um 1814), Jakob Zanen (um 1816-1822), Matthias Küches (1823-1825), Matthias Schmitz (um 1826-um 1830), Johann Baptist Desenfans (1836-1837), Adam Thomas (1840-1848), Anton Friedrich Wilhelm Philipp Marckhoff (1849-1850), Ferdinand Wilhelm Hubert Rothes (1852-1854), Johann Peter Doehmer (1855-1860, zeitweise auch Pfarrverwalter), Albert Wershoven (1860-1862, zeitweise auch Pfarrverwalter), Donatus Pohé (1862-1865), Matthias Brinkmann (1866-1870), Michael Josef Kühlwetter (1870-1888, zeitweise auch Pfarrverwalter), Josef Kaentzeler (1907-1913), Nikolaus Reuter (1913-1917), Arnold König (1917-1921), Nikolaus Reuter (1921-1924), Wilhelm Rongen (1925-1928), Leo Xhayet (1928-1929), Christian Kaulen (1929-1930), Johann Engelbert Heuser (1930-1939), Nikolaus Scheiff (1939-1940), Joseph Schmetz (1944-1960), Nikolaus Scheiff (1960-1962, zusätzlich zu seinen Aufgaben als Pfarrer von Reuland) , Anton Wilhelm Kissen (1962-1966), Franz Jaegers (1966-1980), Willy Kessel (seit 1980, zusätzlich zu seinen Aufgaben als Pfarrer von Reuland). Der frühere Rektor Jaegers lebt seit 1980 in Bracht im Ruhestand .

Bei der 1670 durch Pfarrer Breidtfeldt vorgenommenen Bevölkerungszählung kamen auf Reuland 178, auf Alster 21, auf Bracht 78, auf Lascheid 84 und auf Weweler 11 Einwohner (Kommunikanten und Nichtkommunikanten) (siehe Inventarnummer P28). 1754 wird die Zahl der Kommunikanten mit rund 400 angegeben. Bis in unsere Zeit entwickelte sich die Bevölkerung der Pfarrei wie folgt: 1193 im Jahr 1846, 1202 im Jahre 1857, 1316 im Jahre 1869, 1371 im Jahre 1878, 1289 im Jahre 1888, 1260 im Jahre 1895, 850 im Jahre 1991.

II. BESONDERE KIRCHLICHE GEBÄUDE UND EINRICHTUNGEN IN DER PFARREI

A. Die Rektoratskirche in Bracht

Im Jahre 1696 ließ Pfarrer Matthäus Breidtfeldt mit Genehmigung des Bischofs von Lüttich aus eigenen Mitteln („zum Dank gegen Gott, der ihn mit vielen zeitlichen Güter gesegnet“) in der Ortschaft Bracht eine der Schmerzhaften Mutter Gottes geweihte Kapelle erbauen (siehe Inventar-nummer K969), die 1704 vom Lütticher Weihbischof Louis François Rossius de Liboy konsekriert wurde (siehe Inventarnummer P92). Im Jahre 1865 errichtete man anstelle dieses mittlerweile sehr baufällig gewordenen Gotteshauses einen Neubau, wobei einzelne Teile der alten Anlage wiederverwendet wurden. 1934 wurde die Kapelle durch den Anbau einer Apsis ein weiteres Mal vergrößert .

B. Die Kapelle in Lascheid

Im Jahre 1666 nahm der Lütticher Weihbischof Antoine Blavier die Konsekration einer Kapelle in Lascheid vor (siehe Inventarnummer P98). Sie war dem Erzengel Michael geweiht und dürfte wohl das erste Gotteshaus in dieser Ortschaft gewesen sein. Im Jahre 1759 ließ man den Bau niederlegen und eine neue Kapelle errichten, die, nach einem ersten vergeblichen Anlauf im 19. Jahrhundert, 1902 mit einem Westturm versehen wurde (siehe Inventarnummer K143) .

C. Die Kapelle in Maspelt

Die Ortschaft Maspelt gehörte bis 1803 zur Pfarrei Thommen. Auf Antrag der Einwohner und mit dem Einverständnis des Pfarrers von Thommen kam sie im Zuge der konkordatären Neuordnung des Bistums Lüttich an die Pfarrei Reuland. Die 1736 erbaute, dem hl. Hilarius geweihte Kapelle wurde 1871 erstmals restauriert (siehe Inventarnummer K24). Im Jahre 1930 errichtete man einen Neubau .

D. Die Kapelle in Alster

Anstelle des in dieser Ortschaft gelegenen, dem hl. Quintinus geweihten Heiligenhäuschens errichtete man 1902 eine kleine Kapelle, die noch im gleichen Jahr von Pfarrer Büschgens benediziert wurde (siehe Inventarnummer P93) .

E. Die Niederlassung der Augustinerinnen

Die Niederlassung einer Schwesterngemeinschaft in Reuland war erstmals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Betracht gezogen worden. Als Zweck einer solchen Niederlassung gab Pfarrer Kappes 1868 die Führung einer Schule und die Krankenpflege bzw. „zumindest den Krankenbesuch“ an. Nachdem die mit den Eupener Rekollektinnen aufgenommenen Verhandlungen gescheitert waren, sah das Kölner Generalvikariat Vinzentinerinnen am ehesten als geeignet an, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Aber erst 1901 begann man mit Haussammlungen zwecks Einrichtung eines Krankenhauses in der Gemeinde Burgreuland. 1913 belief sich der „Baufonds“ für ein „Schwesternhaus“, als Zentrum ambulanter Krankenpflege sowie als „Verwahr- und Arbeitsschule“, auf 28.000 Mark. In der Folgezeit konnte zwar ein für diese Zwecke geeignetes Anwesen erworben werden, doch ist aus den Akten des Kölner Generalvikariats nicht ersichtlich, ob tatsächlich eine Schwesternniederlassung eröffnet wurde. Für das Jahr 1914 liegt jedenfalls im Pfarrarchiv ein Lastenheft für „Umbauarbeiten“ betr. die „klösterliche Niederlassung“ in Reuland vor (siehe Inventarnummer K146). Im Einnahmebuch der Kirchenfabrik ist 1931 erstmals die Rede von einem „Schwesternhaus“ und später vom „Herz-Jesu-Kloster“ (siehe Inventarnummer K895). Mit Sicherheit zu belegen ist diese Niederlassung ab 1936, als vier Augustinerinnen aus dem Kloster St. Vith in Burg-Reuland ein Kranken- und Betagtenheim sowie einen Kindergarten eröffneten. Durch die Unachtsamkeit eines Bewohners brannte das Heim allerdings 1942 ab. Ein 1952 scheinbar geplanter Wiederaufbau (siehe Inventarnummer K147) kam nicht zustande. Das Grundstück und die Bauruine wurden in den Jahre 1965-1967 veräußert (siehe Inventarnummer K92).

F. Die Arens’sche Stiftung

In seinem Testament vom 16. Dezember 1847, mit einem Nachtrag vom 2. Juli 1848, hatte der am 14. Februar 1849 in Lascheid verstorbene ehemalige Reuländer Kaplan Andreas Arens fast seinen gesamten Besitz, bestehend aus einem Hause mit Stallungen und Garten, etwa 18 Morgen Heideland, ungefähr 5 Morgen Wiesenland, einem ca. 15 Morgen großen Waldstück und ver-schiedenen Mobilien, erstens den Armen und bedürftigen Kranken der Ortschaft Lascheid, zweitens den dortigen Schulkindern zur Bestreitung des Schulgeldes und schließlich den bedürftigen Kranken der Pfarrei Reuland vermacht. Zum Testamentsvollstrecker und Verwalter seiner Hinterlassenschaft hatte Arens den „Kirchenvorstand“ von Reuland bestimmt. Der Erzbischof von Köln genehmigte die Stiftung 1851, die „landesherrliche“ Genehmigung erfolgte zwei Jahre später (siehe Inventarnummer P52, K24, K192-K193). Zwar hat das Stiftungs-vermögen im Laufe der Jahrzehnte Einbussen erlitten, doch bringt es noch immer genügend Erträge auf, um soziale Belange fördern zu können

Die Niederlassung einer Schwesterngemeinschaft in Reuland war erstmals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Betracht gezogen worden. Als Zweck einer solchen Niederlassung gab Pfarrer Kappes 1868 die Führung einer Schule und die Krankenpflege bzw. „zumindest den Krankenbesuch“ an. Nachdem die mit den Eupener Rekollektinnen aufgenommenen Verhandlungen gescheitert waren, sah das Kölner Generalvikariat Vinzentinerinnen am ehesten als geeignet an, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Aber erst 1901 begann man mit Haussammlungen zwecks Einrichtung eines Krankenhauses in der Gemeinde Burgreuland. 1913 belief sich der „Baufonds“ für ein „Schwesternhaus“, als Zentrum ambulanter Krankenpflege sowie als „Verwahr- und Arbeitsschule“, auf 28.000 Mark. In der Folgezeit konnte zwar ein für diese Zwecke geeignetes Anwesen erworben werden, doch ist aus den Akten des Kölner Generalvikariats nicht ersichtlich, ob tatsächlich eine Schwesternniederlassung eröffnet wurde. Für das Jahr 1914 liegt jedenfalls im Pfarrarchiv ein Lastenheft für „Umbauarbeiten“ betr. die „klösterliche Niederlassung“ in Reuland vor (siehe Inventarnummer K146). Im Einnahmebuch der Kirchenfabrik ist 1931 erstmals die Rede von einem „Schwesternhaus“ und später vom „Herz-Jesu-Kloster“ (siehe Inventarnummer K895). Mit Sicherheit zu belegen ist diese Niederlassung ab 1936, als vier Augustinerinnen aus dem Kloster St. Vith in Burg-Reuland ein Kranken- und Betagtenheim sowie einen Kindergarten eröffneten. Durch die Unachtsamkeit eines Bewohners brannte das Heim allerdings 1942 ab. Ein 1952 scheinbar geplanter Wiederaufbau (siehe Inventarnummer K147) kam nicht zustande. Das Grundstück und die Bauruine wurden in den Jahre 1965-1967 veräußert (siehe Inventarnummer K92).

III. DAS PFARRARCHIV

Das Archiv der Pfarrei Reuland enthält mehrere Inventare „der Dokumente und Literalien“, die sowohl die Pfarrei in ihrer Gesamtheit als auch die Kapellen der einzelnen Ortschaften betreffen. Pfarrer Heydhausen verfaßte 1863 ein erstes sehr ausführliches Inventar des Pfarrarchivs, das die bestehenden Verzeichnisse zusammenfaßte und ergänzte (siehe Inventarnummer K24). Sein Nachfolger Kappes legte dann 1872 ein „Urkundenbuch“ an, wobei er das Inventar Heydhausens in einigen Punkten abänderte und um geschichtliche Ausführungen erweiterte (siehe Inventarnummer P52).

Diese beiden Inventare sind nicht nach archivwissenschaftlichen Gesichtspunkten, sondern im Hinblick auf das Anlegen eines neuen Vermögensverzeichnisses der Pfarrei erstellt worden, das die in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jh. aufgetretenen Unregelmäßigkeiten ein für alle Mal korrigieren sollte, was erklärt, warum Heydhausen und Kappes den Stiftungsurkunden einen ganz besonderen Stellenwert beimaßen.

Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, daß ein einzigartiger Urkundenbestand, dessen älteste Stücke auf Pergament bis in die Jahre 1330-1331 zurückreichen, ohne große Verluste bis in unsere Zeit überliefert worden ist. Die meisten Urkunden, ob auf Pergament oder Papier, befinden sich noch in gutem, ja sehr gutem Zustand. Die Siegel sind allerdings größtenteils zerfallen.

In seiner 1909 erschienenen Übersicht über den Inhalt der kleineren Archive der Rheinprovinz hat Dr. Johannes Krudewig rund 50 Reuländer Pergamenturkunden zum Teil in Regestenform beschrieben . Ein Vergleich dieser Beschreibung mit dem noch vorhandenen Material macht deutlich, daß vor allem bei den Urkunden des 17. und 18. Jahrhunderts mehrere Verluste zu beklagen sind, die, nach Auskunft des derzeitigen Pfarrers von Reuland, scheinbar als Folge unbedachter und unkontrollierter Ausleihen an Privatpersonen in den 60er und 70er Jahren unseres Jahrhunderts angesehen werden müssen. In einigen Registern sind zudem mittels einer Rasierklinge Seiten entfernt worden.

Im Laufe des Jahres 1995 stellte Frau Alexa Theissen-Pauls, Verwaltungsangestellte im Staatsarchiv Eupen, eine erste Verbindung zwischen den Verantwortlichen der Pfarrei Reuland und dem unterzeichnenden Direktor des Staatsarchivs Eupen her. Dank ihrer Intervention bekundete der Kirchenfabrikrat von Reuland am 9. Januar 1996 durch seinen Rendanten, Herrn Joseph Wittrock, schriftlich sein Interesse an einer Deponierung des Pfarrarchivs von Reuland im Staatsarchiv Eupen.

Am 15. Januar 1996 traf der Direktor dieses Staatsarchivs im Pfarrhaus von Reuland zu einer ersten Besprechung mit Pfarrer Kessel und Rendant Wittrock zusammen. Dabei wurde grundsätzlich festgelegt, daß das Pfarrarchiv durch den Direktor des Staatsarchivs Eupen geordnet und danach dorthin überführt werden sollte. Zwecks Vorbereitung der Ordnungsarbeit wurden dem Direktor des Staatsarchivs Eupen bei dieser Gelegenheit die beiden Inventare der Pfarrer Heydhausen und Kappes übergeben.

Während der Monate März und April 1996 nahm der Direktor des Staatsarchivs Eupen im Reuländer Pfarrhaus das Bewerten und Verzeichnen des Pfarrarchivs vor. Dank des freundlichen Entgegenkommens von Herrn Pfarrer Willy Kessel konnte er dabei über eigenen Arbeitsraum verfügen, was vieles erleichterte.

Während der Urkundenbestand – wie auch eine Reihe alter Missale (Meßbücher) – in den Diensträumen des Pfarrers aufbewahrt wurde, war das übrige Schriftgut in mehreren Truhen und Körben auf dem Speicher des Pfarrhauses abgelegt worden. Eine Trennung zwischen den Schriftstücken, die die geistlichen Belange angehen, und denjenigen, die die materiellen Aspekte des Pfarrlebens betreffen, war nicht festzustellen. Auch Spuren früherer Inventarisierungen waren kaum noch vorhanden, so daß sich in einer Reihe von Fällen die Anlegung neuer, nach Sachbezügen geordneter Akten als unumgänglich erwies. Wie bei der Beschreibung der Urkunden wurde auch bei der Inhaltsangabe der Akten mehr oder weniger ausführlich auf kaum noch bekannte oder völlig in Vergessenheit geratene Aspekte des Pfarrlebens eingegangen.

Am 9. Oktober 1996 konnten die meisten der mittlerweile in säurefreien Archivdosen verpackten Urkunden, Akten und Druckerzeugnisse – darunter ein beachtlicher Bücher- und Zeitschriftenbestand aus dem Privatbesitz von Pfarrer Nikolaus Scheiff – ins Staatsarchiv Eupen überführt werden. Am 5. Dezember 1996 unterzeichneten die Herrn Karl Mölter und Willi Oestges in ihrer Eigenschaft als Präsident bzw. Sekretär des Kirchenfabrikrates den Depositalvertrag, der vom Generalarchivar des Königreichs Belgien, Herrn Dr. Ernest Persoons, gegengezeichnet wurde.

Während der Monate Juli, September, Oktober, November und Dezember 1997 sowie Januar, Februar und März 1998 überarbeitete der Direktor des Staatsarchivs Eupen mehrmals das 1996 erstellte erste Verzeichnis, wobei insbesondere die rund 200 Urkunden einer eingehenderen Prüfung unterzogen wurden und das Schriftgut des 19. und 20. Jahrhunderts, stärker noch als bereits geschehen, eine Gliederung nach thematischen Gesichtspunkten erfuhr.