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Kirchenfabrik und andere Einrichtungen der Pfarrei St. Nikolaus zu Raeren

Kirchenfabrik und andere Einrichtungen der Pfarrei St. Nikolaus zu Raeren

Der nachstehende Beitrag behandelt die Geschichte der Institution Pfarrei St. Nikolaus in Raeren zwischen 1605 und 1996. Er wurde im Rahmen der Inventarisierung der Akten der Pfarren durch das Staatsarchiv in Eupen erstellt. Ursprünglich enthält der vorliegende Text weiterführende Informationen und Fußnoten. Diese Informationen können in der Printversion des Inventars konsultiert werden.

Alle Akten, die mit der Pfarrei St. Nikolaus zu tun haben und sich im Staatsarchiv in Eupen befinden, können im Prinzip im Staatsarchiv in Eupen eingesehen werden. Es können für Teile der Akten auch anderslautende Bestimmungen in Bezug auf die Einsichtnahme existieren.

Falls Sie weitere Informationen zu der Institution benötigen oder gerne Akten einsehen möchten, können Sie sich gerne an das Staatsarchiv in Eupen wenden: staatsarchiv.eupen@arch.be

DIE PFARREI RAEREN ,
IHRE GESCHICHTE UND IHR ARCHIV

Der Raerener Ortsteil Neudorf wird als „nova villa“ erstmals in einer Urkunde des Jahres 1241 genannt. Die Ortsbezeichnung Raeren erscheint erst im Jahre 1400, wo ein Ritter Johann von Holset „genannt von den Raederen“ auftritt. Die Namen Neudorf und Raeren deuten beide auf mittel¬alterliche Rodungsvorgänge hin, die vielleicht von der Siedlung rund um die Burg Titfeld ausgingen. Diese lag wahrscheinlich im heutigen Raerener Ortsteil Driesch und war wohl schon im 14. Jahrhun¬dert zerfallen.

Bis zum Ende des Ancien Régime bildeten Raeren und Neudorf zwei selbständige Gemeinden mit eigenen Bürgermeistern. Sie gehörten, zusammen mit den anderen „Quartieren“ – Astenet, Eynatten, Hauset, Hergenrath, Kettenis, Merols, Rabotrath und Walhorn -, zur Bank Walhorn, einer Unterteilung des Herzogtums Limburg, das seit 1288 mit dem Herzogtum Brabant verbunden war.

Nach der Besetzung des Limburger Landes durch die Franzosen im September 1794 blieb diese Zweiteilung vorerst bestehen. Erst im Herbst 1795 wurden die beiden Gemeinden zusammengefügt und dem Kanton Walhorn, einer Unterteilung des Ourthedepartements, zugeschlagen. Nach der Aufhebung des Kantons Walhorn im Jahre 1800 kam die „Mairie de Raeren“ an den Kanton Eupen.

Unter preußischer Herrschaft, von 1815 bis 1920, bildete Raeren eine Bürgermeisterei der Rhein-provinz. Die übergeordneten Verwaltungsbezirke waren der Kreis Eupen und der Regierungs-bezirk Aachen.

Mit Beginn der belgischen Zeit im Jahre 1920 kam die Gemeinde Raeren zum Kanton Eupen, der 1925 dem Bezirk Verviers und der Provinz Lüttich eingegliedert wurde.

Zwischen Mai 1940 und September 1944 galt erneut die deutsche Verwaltungseinteilung. Als amtsfreie Gemeinde gehörte Raeren nun zum Kreis Eupen, einer Unterteilung des Regierungsbezirks Aachen.

Bei Kriegsende wurde Raeren wieder dem Kanton Eupen und mit diesem dem Bezirk Verviers und der Provinz Lüttich zugeteilt.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung von 1976 legte der Gesetzgeber die Gemeinden Raeren, Eynatten und Hauset zusammen. Die neue Großgemeinde trägt dem Namen Raeren, dehnt sich über eine Fläche von 7421 ha 40 a 23 ca aus und zählt 9480 Einwohner (Stand: 1. Januar 1996).

I. DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER PFARREI

Im kirchlichen Bereich hingen die Einwohner der Quartiere Raeren und Neudorf ursprünglich von der Pfarrei Walhorn ab, deren Bezirk mit dem der limburgischen Bank gleichen Namens übereinstimmte.

Im Jahre 1415 ist die Rede von einer Kirche in Titfeld. Dieser rund um die Burg gleichen namens entstandene Ortsteil lag in etwa auf der Grenze zwischen den Quartieren Raeren und Neudorf. Weitere Nachrichten aus dem 15. Jahrhundert berichten von einer Kirmes, also einem Kirchweihfest zu Titfeld. Im „Pouillé“, der Aufstellung der Pfarreien und Kirchen der Diözese Lüttich aus dem Jahre 1497, wird diese Kirche unter der Bezeichnung „villa parva ecclesia sancti Nicolai“ aufgeführt.

Im ältesten noch erhaltenen Dokument des Raerener Pfarrarchivs listet 1605 ein gewisser Christianus Voiß (Voihs), der sich als „pastor zu Titfeld“ bezeichnet, die seiner Kirche zukommenden Abgaben auf. Er ist der erste namentlich bekannte Geistliche in Raeren.

Im Verlauf von Erbstreitigkeiten wurde die Kirche von Titfeld 1612 „in brandt gestochen und angezündt“. Einige Jahre später nahmen die Quartiere Raeren und Neudorf unter Leitung des Jan Schlenter, der dem Walhorner Schöffengericht angehörte, die Errichtung einer neuen Kirche in Angriff, die um 1628 vollendet war.

Für das Jahr 1618 ist erstmals der Name eines „kirchmombers“ überliefert. Er war der Vertreter des Ortsgeistlichen in allen die Kirche angehenden materiellen Belangen und der Zivilgemeinde gegenüber verantwortlich. In den Jahren 1624 bis 1625 stellte man das erste Verzeichnis der Güter und Renten, „die gehörich sind aen die Cappell zu Ptitvelt“, auf.

Auf Veranlassung des Lütticher Weihbischofs Thierry de Grâce gestattete der Walhorner Pfarrer Wilhelm Darimont 1633 den Deservitoren der Kapellen Titfeld, Eynatten und Hergenrath Pfarrer-funktionen auszuüben. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Toten aus Raeren und Neudorf schon seit längerem in der Kirche von Titfeld oder auf dem in ihrem Schatten gelegenen Friedhof beigesetzt. Ebenfalls aus dieser Zeit ist erstmals die Tätigkeit eines Küsters überliefert, dessen Einkünfte im einzelnen festgelegt waren.

Während der bereits erwähnte Christianus Voiß als „pastor“ zeichnete, nannte sich Bartholomäus Buchfink, der ihm wohl nachfolgte, „Rektor“ der Kirche zu Titfeld. Heinrich Hochstein, der um 1648 dort wirkte, und Johannes Schweller, der 1665 erwähnt wird, legten sich jedoch wieder den Titel „Pastor“ bei bzw. wurden von Dritten als solcher betitelt.

Das älteste noch erhaltene Taufbuch beginnt am 3. Dezember 1668, das älteste Sterberegister am 21. April 1671. Die erste Heirat wird am 12. Mai 1693 beurkundet.

Die lokale Geschichtsforschung sieht in Johannes Meyer, der sich am 9. Oktober 1670 als „pastor zu zu den Rahren und Neudorf“ in die Kirchenbücher einträgt, den ersten mit allen Rechten versehenen „Pfarrherrn“. Einerseits wird berichtet, daß die Gemeindeversammlungen von Raeren und Neudorf Meyer 1667 zum Pfarrer wählten, der Gewählte sich danach in Lüttich einer Befähigungsprüfung vor der bischöflichen Behörde unterzog und sodann von dieser approbiert wurde . Andererseits kam es wegen der Abgrenzung der Zuständigkeiten im kirchlichen Bereich noch im 18. Jahrhundert zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinden Raeren und Neudorf und dem Pfarrer von Walhorn, der bis zur französischen Zeit auf seinen Zehntrechten in den beiden „Quartieren“ bestand. Eine offizielle bischöfliche Urkunde über die Abtrennung Raerens und Neudorfs von der Pfarre Walhorn liegt nicht vor.

Bis zum Ende des Ancien Régime besaßen die beiden Zivilgemeinden die Kollatur der Pfarrei Raeren. Neben dem Pfarrer und dem Kirchmomber wählten die Gemeindeversammlungen auch den Kaplan oder „Frühmessner“. Erster namentlich bekannter Inhaber dieses Amtes ist Quirin Müller, der 1693 erwähnt wird. Der 1704 zum Kaplan gewählte Laurenz Emonts übte auch das Amt des Schulmeisters aus. Beide Funktionen blieben bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts miteinander verbunden.

Die Pfarrei Raeren gehörte bis 1818 zur Diözese Lüttich und innerhalb derselben bis 1802 zum Archidiakonat Condroz und zum Dekanat Saint-Remacle-au-Pont in Lüttich. Nach der kon-kordatären Neuordnung des Bistums Lüttich erhielt sie 1803 den Rang einer Hilfspfarrei („succursale“). Hierarchischer Vorgesetzter des Pfarrers – jetzt „desservant“ genannt – war der Kantonalpfarrer von Eupen. Von 1818 bis 1821 unterstand die Pfarrei Raeren dem Generalvikar der 1802 errichteten Diözese Aachen, den der Hl. Stuhl zum Apostolischen Administrator u.a. der Pfarreien des Kantons Eupen bestimmt hatte. Infolge der päpstlichen Bulle „De salute animarum“ kam sie 1821 an die wiederhergestellte Erzdiözese Köln und innerhalb derselben an das Dekanat Eupen. Mit diesem wurde sie 1921 dem Bistum Eupen-Malmedy und 1925 erneut dem Bistum Lüttich zugeteilt. Von Juni 1940 bis zum Herbst 1944 stand sie, wie das gesamte Dekanat Eupen, unter der Verwaltung der Diözese Aachen ohne jedoch kirchenrechtlich dorthin eingegliedert zu sein.

Die dem hl. Nikolaus von Myra geweihte Pfarrkirche wurde zwischen 1719 und 1728 auf Titfeld, nach Plänen des Aachener Stadtbaumeisters Laurenz Mefferdatis, anstelle der bereits erwähnten, 1628 fertiggestellten zweiten bekannten Raerener Kirche errichtet. Ihre Weihe durch den Lütticher Weihbischof Charles d’Arberg et Valengin erfolgte erst am 20. Juni 1770. Im Jahre 1847 brach man den alten seitlich vom Kirchenschiff stehenden Turm ab, vergrößerte das Langhaus um zwei Joche und errichtete einen neuen, höheren Turm am Kopf der Kirche. Die eingeschossige Sakristei aus dem Jahre 1753 wurde 1947 nach Osten hin vergrößert.

Das heutige Pfarrhaus stammt aus dem Jahre 1732. Der Bau wurde aus mehreren Schenkungen und mit dem Verkaufserlös des alten, im Ortsteil Heck gelegenen Pfarrhauses, das bereits 1625 als Eigentum der Kirche ausgewiesen ist, finanziert.

Nach Johannes Meyer waren als Pfarrer in Raeren tätig: Johannes Grass (um 1677-1692), Petrus Jakobus Grossmeyer (1693-1698), Ägidius Momber (1698-1728), Tilmann Ganser (1728-1778), Johann Anton Vincken I. (1778-1795), Johann Georg Reuter (1795-1805), Peter Sebastian Harthard Hartmann (1805-1815), Johann Anton Vincken II. (1815-1828), Michael Thoma (1828-1847), Franz Joseph Sünn (1848-1886, seit 1863 auch Dechant des Dekanates Eupen und Kreisschulinspektor), Johann Heinrich Hohlmann (1888-1900, seit 1892 auch Dechant des Dekanates Eupen), Karl Johann Greven (1900-1908), Johann Joseph Hubert Ignaz Kahlen (1908-1917), Paul Peter Schagen (1917-1923), Toussaint Huynen (1923-1928), Pierre André Hubert Mommer (1928-1940), Josef Engels (1940-1944 als Pfarrverwalter), Pierre André Hubert Mommer (1945-1965), Viktor Gielen (1965-1976), Robert Kohnenmergen (seit 1976).

Wie schon erwähnt, wurde dem Pfarrer um 1693 erstmals ein Kaplan zur Seite gestellt. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts ernannte die bischöfliche Behörde einen zweiten Kaplan für die volkreiche Pfarrei. Ab 1913 wurde die zweite Kaplansstelle allerdings nicht mehr besetzt. Das Dekret über die belgische Kultusgesetzgebung, gegeben am 13. Oktober 1921 vom „Hohen, Königlichen Kommissar, Gouverneur“ für Eupen-Malmedy, erkannte der Pfarrei Raeren zwei Kapläne zu. Aber erst 1932 konnte, nach Verabschiedung eines entsprechenden Königlichen Erlasses, wieder ein zweiter Kaplan in Raeren ernannt werden. Die zweite Kaplansstelle ist nach 1966 unbesetzt geblieben. Seit 1976 ist auch die erste Kaplansstelle nicht mehr ununterbrochen besetzt worden.

Folgende Priester waren als Pfarrverwalter, „Vicepastores“, Vikare, Kapläne, Schulmeister, Hilfsgeistliche oder Seelsorger im Marienheim (siehe II C) in Raeren wirksam bzw. als Emeriti dort wohnhaft: N. Birven (Augustinerchorherr) (1693), Quirin Müller (um 1693), Gregor Withjan (um 1693-1698), Laurenz Emonts (um 1698-um 1710), Antonius Offermanns (Kreuzherr) (um 1698), Heinrich Jengens (um 1710), Lambert du Pont (Trinitarier) (um 1722), Robert Eschweiler (um 1723), Lambert Reuter (um 1726-um 1728), Peter Bous (1750-1779), Johann Anton Vincken (1765-1778), Johann Heinrich Cratz (Kreuzherr) (1779-1789), Johann Joseph Schnitzeler (1779-1780), Heinrich Joseph Werden (um 1781), Fridolin Radermacher (um 1783), Heinrich Joseph Adeneuer (Kreuzherr) (1784-1818), Arnold Schmetz (1785-1812), Johann Georg Reuter (1789-1795), Paul Joseph Vincken (1795-1796), Hermann Rosen (1797), Carl Crepeng (Karmeliter) (1797-1804), Franz Peter Topp (Franziskaner) (1804-1815), Peter Joseph Broich (um 1806), Nikolaus Meyer (um 1808), Johann Gross (um 1808), Johann Peter Hilger (um 1815), Johann Leonhard Schauff (1816-1859), Hieronymus Dahner (1821-1823), Werner Mähren (1825-1826), Michael Thoma (1826-1828), Peter Jakob Schnitzler (1829-1841), Johann Gerhard Weber (1836-1846), Johann Anton Rinck (1839-1840), Hubert Theodor Cronenberg (1846-1852), Johann Gerhard Spinnrath (1852-1860), Carl Theodor Schrey (1854-1855), Johann Aloys Dautzenberg (1854-1860), Gerhard Ludwig Hennes (1860-1912), Johann Gerhard Mirbach (1860-1869), Johann Peter Schmitz (1869-1891), Edmund Herren (1894-1897), Hugo Bardenhewer (1897-1899), Heinrich Staab (1902-1904), Heinrich Gaspers (1904-1905), Heinrich Jäger (1905-1906), Jakob Overbach (1907), Peter Bürschgens (1907-1909), Heinrich Conraths (1910-1913), Matthias Jansen (1913-1915), Michael Litterscheidt (1915-1918), Aloys Niessen (1918-1928), Johann Schauff (Salvato¬rianer) (1928-1929), Ludwig Kerres (1929-1930), Jakob Nols (1930-1940), Joseph Räcker (1932-1933), Willy Junker (1933-1940), Johann Joseph Rentgens (1940-1941), Peter Themann (1941-1947), Hubert Plumanns (1943-1945, seit 1995), Hermann Lennertz (1945-1946), Hubert Korvorst (1946-1958), Joseph Ossemann (1947-1955), Jean Kreit (1955), Joseph Nols (Scheutist) (1955), Jean Levieux (1956-1966), Edmund Jastack (1958-1959), Richard von Schwarzenberg (1959-1963), Pierre Elbers (Passionist) (1963-1964), Joseph Heim (Oblate) (1964-1965), Robert Kohnenmergen (1965-1976), Pierre André Hubert Mommer (1965-1968), Viktor Gielen (seit 1976), Robert De Backer (seit 1976), Karl Gatzweiler (1976-1986), Friedrich Leyendeker (seit 1977), Jean Schifflers (1977-1993), Karl Pauque (1977-1978), Emil Schumann (1979-1981), Johann Baptist Hack (1986-1996), Peter Dries (seit 1996). Außerdem übernahmen von 1901 bis 1917 und wieder von 1921 bis 1932 Salvatorianer aus dem Kloster Welkenraedt (Herbesthal-Baum) die Feier des Gottesdienstes im Marienheim. Von 1917 bis 1932 versahen Benediktiner aus der Abtei Kornelimünster (D) diesen Dienst. Gelegentlich halfen auch Franziskaner aus dem Kloster Baelen (Garnstock, 1977 aufgelöst) in der Pfarrei aus .

Die erste zuverlässige Bevölkerungszahl der Pfarrei Raeren stammt aus dem Jahre 1693. Der von Pfarrer Grossmeyer aufgestellte „Status animarum“ führt 1269 Personen (Kommunikanten und Nichtkommunikanten) für die beiden Quartiere Raeren und Neudorf auf. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Bevölkerung der Pfarrei Raeren wie folgt: 2276 Personen im Jahre 1790; 3154 im Jahre 1840; 3753 im Jahre 1888; 3392 im Jahre 1930; 1991 zählte sie rund 4200 Einwohner. Der nicht unerhebliche Rückgang der Bevölkerung zwischen 1888 und 1930 hatte u.a. den Staatenwechsel von 1920 als Ursache. Der zwischen 1930 und 1991 festzustellende erhebliche Zuwachs geht vor allem auf die Zuwanderung zahlreicher deutscher Staatsbürger nach 1970 zurück.

II. BESONDERE KIRCHLICHE EINRICHTUNGEN UND GEBÄUDE IN DER PFARREI

A. Das Kreuzherrenkloster Brandenburg

Am nord-östlichen Rand des Quartiers Raeren lag im Mittelalter der Hof Brandenburg, ein Lehensgut des Aachener Marienstifts. Der 1444 von Johann von Eynatten relevierte Hof ging 1452 an Gilles (Ägidius) von Brandenburg über, der ihn 1460 an Wilhelm von Nesselrath verkaufte, der ihn nur kurze Zeit später jedoch wieder dem Gilles von Brandenburg übertrug. Da letzterer aus seiner Ehe mit Margaretha von Sombreff keine Kinder hatte und auch sonst nähere Erben nicht vorhanden waren, bestimmte er den Hof Brandenburg samt den zugehörigen Liegenschaften zu einem Kreuzherrenklosters. Er ließ auf dem Hofgebiet eine Kirche bauen und seine Stiftung 1477 vom Lehnshof in Aachen bestätigen. Der zuständige Pfarrer von Walhorn, Jakob Udeman, erteilte 1482 die Erlaubnis zur Errichtung des Klosters in seinem Pfarrsprengel; die Genehmigung der Stiftung durch den Bischof von Lüttich erfolgte 1485. Im Zuge der Religionspolitik Kaiser Josephs II. wurde das Kreuzherrenkloster Brandenburg 1784 aufgehoben. Die fünf Angehörigen der Gemeinschaft, von denen einer bereits seit 1779 als Kaplan und Schulmeister in der Pfarrei Raeren tätig war, erhielten eine staatliche Pension. Der Eupener Kaufmann Peter Breuls erwarb 1789 die Klostergebäude und den dazugehörenden Grundbesitz. In Anwendung des Grenzvertrages vom 6. November 1922 wurde Brandenburg von Belgien abgetrennt und dem Deutschen Reich zugesprochen. Große Teile der ehemaligen Klosteranlage, die sich noch stets in Privatbesitz befindet, sind bis heute erhalten geblieben.

Bei der Aufhebung des Klosters kamen eine wertvolle Statue des hl. Antonius sowie verschiedene Reliquien, u.a. der hl. Odilia, in die Pfarrkirche. Noch heute werden die Odiliareliquien dort besonders verehrt (siehe Inventarnummern 225-227).


B. Die Annakapelle

Im Jahre 1716 ließ Pfarrer Ägidius Momber im Ortsteil Berg eine der hl. Anna geweihte Kapelle mit dreiseitigem Altarraum errichten. Sie wurde am 10. Mai des gleichen Jahres durch den Pfarrer feierlich eingeweiht. 1794 stattete man den kleinen Dachreiter mit einem Glöckchen aus. Der Ende des 19. Jahrhunderts erstmals geplante Bau einer Kirche in Raeren-Berg gelangte schlußendlich nicht zur Ausführung (siehe Inventarnummer 111).

C. Das Marienheim

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wird in Raeren erstmals ein Verein zur Förderung der Krankenpflege erwähnt. Dank einer bedeutenden Stiftung des Raerener Lohmüllers Wilhelm Joseph Schauff konnte zwischen 1865 und 1868 im Ort ein Haus zur Pflege kranker sowie alter und arbeitsunfähiger Dorfbewohner eingerichtet werden. Dem vorläufigen Stiftungskuratorium gehörten der Raerener Pfarrer, Dechant Franz Joseph Sünn, und sein Vikar Gerhard Ludwig Hennes an. Die am 14. April 1866 genehmigten Statuten sahen u.a. vor, daß die neue Einrichtung die Bezeichnung „Katholisches Marienhospital Raeren“ tragen und der Pfarrer stets den Vorsitz des Kuratoriums führen sollte. Von 1883 bis 1987 übernahmen Angehörige der Genossenschaft der Franziskanerinnen von Salzkotten – „Schwestern des heiligen Franziskus, Tochter der heiligen Herzen Jesu und Mariä“ -die Pflege der Kranken und Betagten. 1988 wurde diese Aufgabe Ordensfrauen aus Méhaigne, die der Kongregation der „Armen Schwestern vom hl. Franziskus“ angehören, übertragen. Schon seit etlichen Jahren steht den Schwestern weltliches Personal zur Seite. Die letzte Fassung der Statuten nennt als Bezeichnung der Stiftung: „Marienheim Raeren“. Sollte das im übrigen nach wie vor ehrenamtlich arbeitende Kuratorium eines Tages nicht mehr in der Lage sein, das Heim zu verwalten, geht dieses an die Pfarrei über. Sieht auch diese sich außerstande, die Schenkung anzunehmen, wird das Marienheim dem Sozialhilfezentrum der Gemeinde Raeren übertragen.

III. DAS PFARRARCHIV

In den verschiedenen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Kirchenfabrik verfaßten Inventarien des Immobilien- und Mobilienbesitzes der Pfarrei Raeren finden sich auch gelegentliche Hinweise auf den Inhalt des Pfarrarchivs.

Das erste ausschließlich den „Pfarrakten“ gewidmete Inventar stammt vom 13. Dezember 1847 und wurde vom „Kirchenvorstand“, also der Kirchenfabrik, „unter dem Vorsitze des Herrn Land-Dechanten Pauls von … Eupen, und des Herrn Pastors Krickels zu Eynatten“ aufgestellt. Es umfaßt 42 Nummern und ist weder chronologisch noch thematisch gegliedert. Zudem sind bestimmte Angaben äußerst vage, so z.B. Nummer 28: „ein Kistchen alte Akten enhaltend“, oder Nr. 32: „ein Paketchen alte Akten“ oder auch Nr. 37: „Akten und Notizen zu den Rechnungen mehrerer Jahrgänge“.

Den ersten (?) Versuch einer systematischen Ordnung des Pfarrarchivs unternahm um 1914 während seiner Studienzeit der 1893 in Raeren geborene Hermann Wirtz. Als er 1929, nach seiner Promotion zum Dr. phil., die erste Geschichte der Pfarre Raeren verfaßte, hatte er die fünfzehn Jahre zuvor begonnene Arbeit im Pfarrarchiv weiter verfeinert. Von einem schriftlichen Inventar aus der Feder von Dr. Wirtz, der 1973 in Berlin-Wilmersdorf verstarb, ist nichts bekannt.

Zu Beginn der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts ordnete ein weiterer Raerener, Dr. phil. Michel Kohnemann (geb. 1918), das Pfarrarchiv ein zweites Mal. Sein noch erhaltenes Inventar umfaßt fünf Abteilungen – 17. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, Französische Zeit, Preußische Zeit und Belgische Zeit -, die ihrerseits thematisch unterteilt sind. Akten und Dokumente aus der Zeit nach 1939 kommen in diesem Inventar noch nicht vor. Dr. Kohnemann schloß seine Arbeit im Pfarrarchiv 1954 mit einer Veröffentlichung zur Raerener Orts- und Pfarrgeschichte ab.

Am 5. März 1996 nahm der unterzeichnende Direktor des Staatsarchivs Eupen auf Ersuchen des Präsidenten der Kirchenfabrik, Herrn Otto Nussbaum, das Raerener Pfarrarchiv erstmals in Augenschein. Ein Teil der Archivalien lagerte in einem Panzerschrank im Erdgeschoß der an das Pfarrhaus angrenzenden und mit diesem verbundenen Kaplanei; der Rest – hauptsächlich Rechnungen und Rechnungsbelege der Kirchenfabrik, verfallene Obligationen und Schuldscheine, Bruderschafts- und Vereinsakten sowie Bücher, Zeitungsbände und Zeitschriften – war auf dem Speicher des Pfarrhauses teils in einem alten hölzernen Archivschrank teils auf einem Holzregal abgelegt worden. Verschiedene Register und Unterlagen, die noch in Gebrauch waren, befanden sich im Pfarramt bzw. in der Wohnung des Präsidenten der Kirchenfabrik. Ein Teil dieser neueren Unterlagen wurde dem Pfarrarchiv beim ersten Besuch des Direktors des Staatsarchivs Eupen zugeführt. Zwischen den Unterlagen, die die geistlichen Belange angehen, und denjenigen, die die materiellen Aspekte des Pfarrlebens betreffen, gab es keine Trennung. Die Spuren früherer Inventarisierungen waren noch deutlich zu sehen.

Während der Monate Mai, Juni und Juli 1996 nahm der Direktor des Staatsarchivs Eupen im Raerener Pfarrhaus das Bewerten und Verzeichnen des Pfarrarchivs vor. Dank des freundlichen Entgegenkommens von Herrn Pfarrer Robert Kohnenmergen konnte er über einen eigenen Arbeitsraum verfügen, was vieles erleichterte. Am 3. Juli 1996 wurde dem Herrn Pfarrer sowie dem Herrn Präsidenten der Kirchenfabrik das vorläufige Inventar des Pfarrarchivs Raeren zugestellt.

Am 30. Oktober 1996 nahm der Direktor des Staatsarchivs Eupen auf Einladung von Herrn Nussbaum an einer Sitzung des Raerener Kirchenfabrikrates teil, in deren Mittelpunkt eine Prüfung dieses Inventars sowie die endgültige Entscheidung darüber standen, welche Dokumente und Akten in der Pfarrei verbleiben und welche im Staatsarchiv Eupen deponiert werden sollten.

Nach Klärung der noch offenen Fragen konnte das Archivgut der Pfarrei und Kirchenfabrik Raeren am 27., 28. und 29. November in säurefreie Archivdosen verpackt werden. Am 20. Dezember unterzeichneten der Präsident und der Sekretär der Kirchenfabrik den Depositalvertrag bez. der in das Staatsarchiv Eupen zu überführenden Archivalien. Die Überführung des Archivgutes nach Eupen erfolgte schließlich am 7. Januar 1997.