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Der Bestand „Ancien Régime“ der Stadt Eupen

Der Bestand „Ancien Régime“ der Stadt Eupen

Der nachstehende Beitrag behandelt die Geschichte der Stadt Eupen zwischen 1537 und 1796. Er wurde im Rahmen der Inventarisierung der Akten der Stadt durch das Staatsarchiv in Eupen erstellt. Ursprünglich enthält der vorliegende Text weiterführende Informationen und Fußnoten. Diese Informationen können in der Printversion des Inventars konsultiert werden.

Alle Akten, die mit der Stadt Eupen (Ancien Régime) zu tun haben und sich im Staatsarchiv in Eupen befinden, können im Prinzip im Staatsarchiv in Eupen eingesehen werden. Es können für Teile der Akten auch anderslautende Bestimmungen in Bezug auf die Einsichtnahme existieren.

Falls Sie weitere Informationen zu der Institution benötigen oder gerne Akten einsehen möchten, können Sie sich gerne an das Staatsarchiv in Eupen wenden: staatsarchiv.eupen@arch.be

GESCHICHTE

Urkundliche Erwähnung findet Eupen (“Oipen”) zum ersten Mal im Jahre 1213 und zwar in einer durch Abt Rutger von Rolduc ausgestellten Urkunde. Bereits im frühen Mittelalter bildete die Ortschaft einen Teil des Königshofes Baelen. Dieses auch “Hochbank Baelen” genannte Gebiet gehörte seinerseits dem Herzogtum Limburg an, das auf Walram I. Udo, Graf von Limburg (1061-1082) zurückgeht.

Eine genauere Grenzziehung des geographischen Rahmens des Herzogtums Limburg ergibt folgendes Bild: im Norden grenzte die Herrschaft Rolduc an; im Osten lagen die Reichsstadt Aachen, die Abtei Kornelimünster und das Herzogtum Jülich; im Süden das Fürstbistum Lüttich, die Reichsabtei Stavelot-Malmedy und das Herzogtum Luxemburg; im Westen die Graschaft Dalhem und wiederum das Lütticher Fürstbistum.

Als der Nachfahre des Hauses Limburg, Walram IV., im Jahre 1279.80 starb, kam das gesamte Herzogtum durch die Heirat seiner Tochter Irmgard an den Grafen Reinald von Geldern. Nach Irmgards Tod (1283) kam es zu einem erbitterten Kampf zwischen Reinald und seinen Verbündeten (darunter Heinrich VI. von Luxemburg) und Herzog Johann I. von Brabant. Infolge der 1288 ausgetragenen Schlacht zu Worringen am Rhein, aus der Johann von Brabant als Sieger hervorging, wurde das Herzogtum Limburg mit Brabant verbunden und hinfort in Personalunion geführt. Durch Kauf erwarb der Herzog von Burgund, Philipp der Kühne, Ende des 14. Jahrhunderts Limburg. Bis 1477 blieb das Eupener Land somit den burgundischen Niederlanden zugehörig. Maria von Burgund, Tochter Karls des Kühnen, heiratete 1477 Maximilian von Österreich, so dass das Gebiet nun dem Hause Habsburg untertan war.

Durch Teilung unterstanden die Niederlande seit 1555 der spanischen Linie des Hauses Habsburg, da der habsburgische deutsche Kaiser Karl V. die Niederlande seinem Sohn Philipp II., dem König von Spanien, überließ. Um die gegen Ende des 30jährigen Krieges (1618-1648) akut gewordene Finanznot des spanischen Königs zu lindern, verkaufte dieser eine Reihe der ihm gehörenden Landstriche als Herrschaften mit Hochgerichtsbarkeit an kapitalkräftige Personen. So erwarb Wilhelm von Vischer am 31. Oktober 1648 für 12.000 Goldgulden die Herrschaft Eupen und wurde am 23. August 1649 damit belehnt.

Infolge religiöser Wirren bildeten die Nordprovinzen der Niederlande seit dem 16. Jahrhundert eine unabhängige Union, die 1648 international anerkannt wurde. Nach langen Kämpfen kamen schließlich die südlichen Niederlande und somit auch das Eupener Land 1713 wieder an die österreichischen Habsburger. Dieser Wechsel des Landesherren brachte dem durch Truppendurchzüge und –einquartierungen, Plünderungen und Krieg, Pest und Hunger arg in Mitleidenschaft gezogenen Land gegen Ende des “Ancien Régime” eine längere Zeit von Ruhejahren.

Als Kaiser Karl VI. 1740 gestorben war, brach der österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748) aus, was erneut das Durchziehen von Kriegstruppen zur Folge hatte. Im Februar 1748 nahm die Tochter Karls VI., Maria Theresia, die Niederlande endgültig in Besitz. Unter ihrer bis 1780 währenden Herrschaft blühten Handel und Gewerbe auf, das Gerichts- und Verwaltungswesen wurde erneuert, das allgemeine Wohl gehoben und gesichert. Der Habsburgerstaat wurde nicht nur seinem Umfang nach, sondern auch nach seinen inneren Verhältnissen zu einer Großmacht in Europa.

Unter Maria Theresias Sohn und Nachfolger Joseph II. (1780-1790) nahm der Reformeifer zuweilen übertriebene Formen an, so dass manches Gesetz toter Buchstabe blieb.

1794 eroberte das revolutionäre Frankreich die österreichischen Niederlande: am 16. November 1794 wurde das Eupener Land dem “arrondissement” Limburg und der Zentralverwaltung “d’Entre-Meuse-et-Rhin” zugeteilt. Am 1. Oktober 1795 wurde es schließlich der Französischen Republik einverleibt.

Geschichte des Archivbestands

Die verwaltungsbezogenen Akten der Stadt Eupen wurden während des hier skizzierten Zeitraums zunächst in den Privatwohnungen der jeweiligen Bürgermeister aufbewahrt, bis sie um 1770 in den eigens dafür vorgesehenen Archivraum des damaligen Rathauses gelangten. Um 1796 wurde der Sitz der Verwaltung in das inzwischen säkularisierte Kapuzinerkloster verlegt, wobei die Archivalien auf dem Dachboden des Gebäudes untergebracht wurden. Infolge des Umbaus des Gemeindehauses 1868 wurden die Akten in einem feuersicheren Archivraum gelagert. Während der Kriegswirren 1940-44 fanden die Bestände teilweise in mehreren Kellern der Stadt Schutz. Sowohl eine unsachgemäß vorgenommene Rückführung der Akten als auch eine Unterbringung in ungeeigneten Räumlichkeiten verursachten den Verlust und die fortschreitende Zerstörung der teils sehr alten und wertvollen Dokumente. Als das Rathaus 1970 erweitert wurde, galt es, eine neue Unterkunft zu finden. So gelangten die Archivalien laut Beschluss des Bürgermeister- und Schöffenkollegiums zur Aufbewahrung in das neue Stadtarchiv, Rathausplatz 11. Einige Jahre später zog das Stadtarchiv in das Gebäude Rathausplatz 10 um. Ein letztes Mal wechselten die Akten ihren Standort, als sie im Februar 1993 in das Staatsarchiv Eupen, Kaperberg 2-4, überführt wurden.

Was die Erschließung und Auswertung des Archivguts anbelangt, sei zunächst darauf hingewiesen, dass man zu Beginn des 20. Jh. von einem “übersichtlich in Konvoluten geordneten Archiv” sprach.

Die Stadt Eupen erteilte zuerst Herrn Wilhem Goor den Auftrag, die Bestände zu inventarisieren. So entstand im Jahre 1938 das handgeschriebene Inventar des Aktenbestandes “Ancien Régime”, das 1989 restauriert wurde.

Das Goorsche Inventar bietet eine Reihe von Analysen zum Teil im Originaltext, zum Teil in Regestenform, hin und wieder sogar mit einer vollständigen Übersetzung oder aber nur in Stichwortform.

Bis zum Jahre 1970 war ein Beamter mit der Verwaltung des Archivs beauftragt, ohne sich jedoch mit der Inventarisierung und der Auswertung zu befassen. Letztere Tätigkeiten oblagen seit 1975 dem neuernannten Stadtarchivar, Herrn Leo Hermanns. Er erstellte 1977 eine erste Bestandsübersicht .

Da eine Reihe von Akten aus dem Bestand “Ancien Régime” der Zeit nach 1795 zuzuordnen waren, wurden sie in das 1989 fertiggestellte Findbuch “Französische Zeit” aufgenommen; ebenso wurden anderorts vorgefundene Akten des “Ancien Régime” in den entsprechenden Band aufgenommen.

1992 erschien schließlich, zusammengestellt von Leo Hermanns, das vom Bürgermeister- und Schöffenkollegium in Auftrag gegebene erste “Findbuch für den Aktenbestand Ancien Régime”. Bei der Verzeichnung wurde die Goorsche Numerierung, da wo sie noch vorhanden war, beibehalten. Nicht mehr vorhandene Stücke sind ebenfalls vermerkt und durch ein “Sternchen” gekennzeichnet worden.