Beitrag

Pfarre Dürler

Pfarre Dürler

Der nachstehende Beitrag behandelt die Geschichte der Pfarre Dürler zwischen 1612 und 1978. Er wurde im Rahmen der Inventarisierung der Akten der Pfarren durch das Staatsarchiv in Eupen erstellt. Ursprünglich enthält der vorliegende Text weiterführende Informationen und Fußnoten. Diese Informationen können in der Printversion des Inventars konsultiert werden.

Alle Akten, die mit der Pfarre Dürler zu tun haben und sich im Staatsarchiv in Eupen befinden, können im Prinzip im Staatsarchiv in Eupen eingesehen werden. Es können für Teile der Akten auch anderslautende Bestimmungen in Bezug auf die Einsichtnahme existieren.

Falls Sie weitere Informationen zu der Institution benötigen oder gerne Akten einsehen möchten, können Sie sich gerne an das Staatsarchiv in Eupen wenden: staatsarchiv.eupen@arch.be

GECHICHTLICHER KONTEXT

Name

Der Hauptarchivbildner ist die Kirchenfabrik der Pfarrei Dürler; Die Nebenarchivbildner sind der Pfarrer, die Skapulier-Bruderschaft vom Berge Carmel sowie die Rosenkranzbruderschaft.

Geschichte

Überlick über die Geschichte der Ortschaft Dürler

Das 775 im Lorscher Codex erwähnte „Dorenhar“ ist wohl mit Dürler identisch. In einem Verzeichnis der Kirchen, die Abgaben an die Abtei Stavelot-Malmedy zu entrichten haben, erscheint der Ort 1131 als „Durlenges“, in einer Urkunde des Stiftskapitels von St. Johann in Lüttich 1280 als „Durlar“. Spätere Schreibweisen sind Durlair, Dorler, Dorlar sowie das heute gebräuchliche Dürler.

Die Ortschaft gehörte Ende des 18. Jahrhunderts teils zum Hofe Thommen teils zur Meierei Houffalize, beide im Herzogtum Luxemburg gelegen.

Nach der Annexion des Luxemburger Landes durch die Französische Republik am 1. Oktober 1795 würde Dürler dem Kanton Reuland, einer Unterteilung des Ourthedepartements, zugeschlagen. Nach Aufhebung dieses Kantons durch die französische Konsularregierung im Jahre 1800 wurde Dürler, gelegen in der „Mairie“ Reuland, dem Kanton St. Vith zugeteilt.

Unter preußischer Herrschaft, von 1815 bis 1920, war Dürler Teil der Bürgermeisterei Reuland.

Innerhalb der Rheinprovinz gehörte die Bürgermeisterei zuerst zum Kreis St. Vith, dann, nach dessen Aufhebung im Jahre 1821, zum Kreis Malmedy, dessen übergeordnete Verwaltungsinstanz die Regierung in Aachen war.

Mit Beginn der belgischen Zeit kam die Bürgermeisterei, Dürler eingeschlossen, an den Kanton St. Vith, der 1925 dem Bezirk Verviers und der Provinz Lüttich zugeordnet wurde.

Zwischen Mai 1940 und September 1944 galt erneut die deutsche Verwaltungseinteilung. Dürler war nun Teil der Bürgermeisterei Burg-Reuland, die mit der Gemeinde das Amt Burg-Reuland bildete. Dieses Amt gehörte zum Kreis Malmedy, einer Unterteilung des Regierungsbezirks Aachen.

Nach 1945 wurden die belgischen Verwaltungsstrukturen wieder hergestellt.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung von 1976 legte der Gesetzgeber die Gemeinden Burg-Reuland und Thommen zusammen. Die neue Großgemeinde trägt den Namen Burg-Reuland.

Die geschichtliche Entwicklung der Pfarrei

Die ursprünglich die Dörfer Dürler und Lengeler umfassende Pfarrei Dürler ist sehr wahrscheinlich aus der Urpfarrei Thommen hervorgegangen. Im Jahre 1131 wird erstmals eine gegenüber der Abtei Stavelot-Malmedy abgabepflichtige Kirche in Dürler erwähnt. Am 30. Januar 1280 kamen der Dechant und die Stiftsherrn des Kapitels von St. Johann in Lüttich mit dem Knappen Alardus „de Oure“ (von Ouren) überein, das Vorschlagsrecht für die Pfarrstelle Dürler abwechselnd auszuüben.

Anlass zu diesem Vergleich war der Verzicht eines gewissen Ulmarus auf die besagte Pfarrstelle. Er ist der erste namentlich bekannte Pfarrer in Dürler. Zu seinem Nachfolger bestellte Alardus von Ouren wohl noch 1280 Nikolaus „de Wuren“ (von Ouren). Auf diesen folgte der durch das Stiftskapitel St. Johann in Lüttich vorgeschlagene Nikolaus „de Wynerenges“. Nach dessen Tod im Jahre 1314 brachte der Ritter Gobelinus „de Rulant“ (von Reuland), als Stellvertreter des Alardus von Ouren, den Radulphus, Priester aus „Wampax“ (Weiswampach), als Pfarrer von Dürler in Vorschlag. Dessen vermutlich unmittelbarer Nachfolger war ein gewisser Petrus, der vor dem 23. Juli 1342 als Pfarrer in Dürler verstarb. Von diesem Tag datiert eine Urkunde, in der Johannes, der Sohn des Laurentius „de Sancto Vito“ (von St. Vith), durch Mathias „de Deynsbure“, dessen Frau Ylandis, deren Sohn Richardus sowie Johannes, Sohn aus der ersten Ehe der Ylandis mit dem vorerwähnten Gobelinus von Reuland, als neuer Pfarrer in Dürler vorgeschlagen wird.

Siebter namentlich genannter Pfarrer in Dürler war Jakobus von Gobe, der am 2. Januar 1455 durch Jakobus Broyn (oder Braenne) ersetzt wurde. Letzterer starb um 1470. Auf ihn folgte Nikolaus von Aldringen, der durch das Stiftskapitel von St. Johannes Evangelist präsentiert worden war. Er musste sich allerdings zuerst gegen einen Mitbewerber namens Heinrich von Gressenich – vorgeschlagen durch einen gewissen Herrn Bernhard „de Gonis“ – durchsetzen, der erst am 2. April 1472 auf all seine Ansprüche verzichtete.

In der Liste der Pfarrer in Dürler klafft sodann wieder eine Lücke. Ab 1589 werden dann erwähnt: Mathias Lengeler (um 1589-1592), Johannes Lenglerus (bis zum 27. März 1597), Nikolaus Flockius (ab dem 27. März 1597), Philipp Johann Witwerdingius (1600-1641), Nikolaus Fontanus (1641, hat die Pfarrstelle möglicherweise nicht übernommen), Johannes Fuxius (1642-1690), Johann Michael Rimlingen (1690-1727), Nikolaus Schäler (1727-1763), Franz Heinrich Joseph Schylle (1763-1785), Franz Xaver Kraus (1786-1793) und Hubert Leonard Thisquen (1794-1803).

Bis zum Jahre 1802 gehörte die Pfarrei Dürler zum Dekanat (Kapitel) Stavelot im Erzdiakonat Ardennen des Bistums Lüttich. Sie war eine so genannte „quarta capella“, d.h. das sie lediglich den vierten Teil der üblichen Diözesansteuer zu entrichten hatte.

Die ursprüngliche Pfarrkirche war eine einfache Halle mit dreiseitigem Schulabschluss und einem etwa 25 m hohen Turm an der Westseite. 1641 ist die Rede von einer Restaurierung. In einem Visitationsbericht des Jahres 1716 heißt es, Kirchenschiff und Turm drohten einzustürzen. In den Jahren 1716 bis 1719 fanden demzufolge erneut umfangreiche Instandsetzungsarbeiten statt. Das Chor wurde mit Sicherheit neu aufgebaut, auch das gesamte Dach einschließlich Gebälk neu aufgeführt. Einem Bericht von 1814 ist allerdings zu entnehmen, dass Turm und Kirche sich erneut „in einem unwürdigen Zustand“ befanden. Im Jahre 1899 wurde die alte Kirche schließlich niedergelegt und nach Plänen des Aachener Architekten Stephan Reißdorf in neo-romanischem Stil ein Neubau in Angriff genommen, der zwei Jahre später fertiggestellt wurde.

Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahre 1779.

Erste verlässliche Nachrichten über eine Kapelle in der zur Pfarrei Dürler gehörenden Ortschaft Lengeler verweisen auf das Jahr 1663. Ein Visitationsbericht aus dem Jahre 1728 vermerkt, dass die Mauern der Kapelle „repariert“ und das Schieferdach „ausgebessert“ werden müssen. 1765 wurde ein Neubau errichtet. Die Kapelle ist dem hl. Johannes dem Täufer geweiht.

Vor 1803 werden als Kapläne und Frühmessner erwähnt: Claudius Probst (um 1614-um 1622), Petrus Hinderhausen auch Creins genannt (um 1711), Balthasar Borges (um 1714), Johann Friedrich Beyden (um 1726), Nikolaus Theisen (um 1736-um 1739), Michel Meyer (um 1740-um 1750), Sebastian Schmitz (um 1752-um 1770), Nikolaus Leonardy (um 1772-um 1774), Johann Balthasar Gils (um 1775-um 1786), J. Mayeres (um 1786-um 1788), F.H. Feyder (um 1791-um 1793), J. Even (um 1793-um 1795), Petrus Lentz (um 1797). Im allgemeinen waren die Kapläne wohl auch als Schullehrer und Küster tätig. In dem bereits erwähnten Visitationsbericht von 1716 jedenfalls wird vom damaligen Kaplan ausdrücklich vermerkt, dass er „bisweilen“ Schule hatte. Für die Jahre 1751 und 1766 sind Entlohnungen für Küsterdienste angegeben.

An Frühmessnern und geistlichen Lehrern in Lengeler sind nur N. Dupont (um 1787) und Johann Daam (gest. am 22. Februar 1789) namentlich bekannt.

Im Zuge der konkordatären Neuordnung der auf dem Gebiet der französischen Republik gelegenen Bistümer erhielt Dürler 1803 den Rang einer „succursale“ (Hilfspfarrei) im Bistum Lüttich. Hierarchischer Vorgesetzter des Pfarrers – „desservant“ genannt – war der Kantonalpfarrer in St. Vith. Das Grundgebiet der Pfarrei wurde dabei um die Ortschaften Espeler und Malscheid erweitert.

Espeler – das 1495 lediglich 9 Feuerstellen zählte – gehörte bis zum Ende des Ancien Régime zum Hof Thommen, in französischer Zeit zuerst zum Kanton Reuland, dann, ab 1800, zur „Mairie“ Reuland im Kanton St. Vith. In preußischer Zeit war die Ortschaft Teil der Bürgermeisterei Burg-Reuland deren Schicksal sie bis zur kommunalen Neugliederung von 1976 teilte.

Eine dem hl. Walricus geweihte Kapelle in Espeler wird erstmals 1604 erwähnt. Sie dürfte allerdings erheblich älter gewesen sein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Anlage, mit Ausnahme des Turmes, wenn nicht neu errichtet, so doch sehr umfassend restauriert, wie ihre Konsekration durch den Lütticher Weihbischof Louis François Rossius de Liboy im Jahre 1714 belegt. Instandsetzungen erfolgten 1743-1744. Die heutige Kapelle stammt aus dem Jahre 1780. Wie schon einige Jahrzehnte zuvor, war der Turm der alten Anlage in den Neubau einbezogen worden. Im Jahre 1687 stattete Matthias Breitfeldt, Pfarrer in Weweler-Reuland und Personat in Thommen, die Seelsorgestelle in Espeler mit erheblichen Einkünften aus, die sich aus den Zehnteinkünften von Thommen speisten. Die Besetzung des Benefiziums in Espeler stand hinfort dem Personaten von Thommen zu.

Als Benefiziaten in Espeler werden genannt: Nikolaus Breitfeldt (um 1703-um 1718), Johannes Baum (um 1721-um 1730), Johann Roloff (um 1730), Johann Karl Thederichs (um 1730-1731), Johann Friedrich Beyden (1731-1738), Johann Faber (um 1739), Theodor Faber (um 1743-1762, vielleicht identisch mit dem Vorerwähnten), Christoph Ludwigs (um 1762-1763-1803). Die Genannten übten wohl auch das Amt des Schullehrers aus.

Ob die Benefiziaten im Ancien Régime über ein Wohnhaus verfügten, ist nicht eindeutig geklärt. 1810 kauften acht Einwohner des Dorfes Espeler aus freiwilligen Beiträgen ein Gebäude mit Garten, das von nun an als Wohnung des Ortsgeistlichen und Schulhaus diente. Die Einkünfte aus der Stiftung Matthias Breitfeldt waren in der französischen Zeit verloren gegangen. Bei der konkordatären Neuordnung des Jahres 1803 erhielt Espeler den Rang einer Hilfskirche.

Malscheid gehörte im Ancien Régime wohl ursprünglich zum Hof Weiswampach. Später erlangten die Herrn von Ouren und Reuland Herrschaftsrechte über die Ortschaft. Eine Kapelle in Malscheid wird erstmals 1604 erwähnt. Der heutige Bau stammt aus dem Jahre 1779. Patron sind der hl. Willibrord und der hl. Albinus.

Im Jahre 1818 wurde die Pfarrei Dürler dem Generalvikar des 1802 errichteten Bistums Aachen, den der Hl. Stuhl zum Apostolischen Administrator u.a. der Pfarreien des Kantons St. Vith ernannt hatte, unterstellt. Infolge der Bestimmungen der päpstlichen Bulle „De salute animarum“ kam sie 1821 an die wiederhergestellte Erzdiözese Köln und innerhalb derselben 1827 an das Dekanat St. Vith. Mit diesem wurde sie 1921 dem Bistum Eupen-Malmedy und 1925 dem Bistum Lüttich zugeteilt. Wie das gesamte Dekanat St. Vith stand sie, bedingt durch die politischen Verhältnisse, von Juni 1940 bis September 1944 unter der Verwaltung der Aachener Diözesanleitung, ohne jedoch kirchenrechtlich in das Bistum Aachen eingegliedert zu sein. Heutzutage gehört die Pfarrei Dürler zum Pfarrverband Burg-Reuland im Dekanat St. Vith.

Nach 1803 waren als Pfarrer in Dürler tätig: Hubert Leonard Thisquen (bis 1814), Johann Baptist Laplume (1814-1838), Jakob Bartz (1838-1885), Franz Xaver Hubert Kreins (1885-1887 als Pfarrverwalter, gleichzeitig Vikar in Espeler), Johann Joseph Rüssel (1887-1895), Friedrich Theodor Täpper (1896-1963), Clemens August Hintzen (1903-1909), Heinrich Dürselen (1909-1912), Thomas Heinz (1912-1916) Johann Kreitz (1916-1924), Pfarrer Kretschmer (1924-1931), Pfarrer Basser (1932-1949), Heinrich Signon (1949-1979), Friedo Lenz (1979-2002), Karl-Heinz Calles (2002-2003 und Batty Hack (2003- ).

Als Kapläne werden nach 1803 in Dürler genannt: Johann Michael Schäler (1804-1814), Servatius Dupont (1816), Mathias Leysen (1816-um 1817), Dominikus Schmitz (1818-1824), Johann Baptist Mercher (1824-1825) und Philipp Klein (1828-1830). Nach 1830 wurde für die Pfarrei Dürler kein Kaplan mehr bestellt.

Als Vikare und Lehrer in Espeler fungierten ab 1803: Christoph Ludwig (bis 1808), ? Arens (um 1810), Johann Margraff (1814-1816), Joseph Reuter (1817-1824), Dominikus Schmitz (1824-1827), Nikolaus Toussaint (1827-1829), Philipp Klein (1830-1835), Friedrich Böver (1835-1870) und Franz Xaver Hubert Kreins (1873-1887, 1885-1887 gleichzeitig Pfarrverwalter). Er war der letzte in Espeler residierende Vikar.

Bei der Visitation des Jahres 1846 zählte die Pfarre 743 Einwohner, 1857 noch 624 (Dürler 168, Dürlerhof 90, Espeler 230, Lengeler 174, Malscheid 69 sowie 13 Personen in drei allein liegenden Häusern).

Pfarrpatron ist der hl. Apostel Matthias. Als zweite Patronin wird 1716 die hl. Luzia erwähnt.

ARCHIV

    Das Archiv der vier Archivbildner wurde bis 2007 zusammen in der Pfarre Dürler aufbewahrt.

    Am 3. Februar 2007 wandte sich Sektionsleiter Prof. Dr. Alfred Minke in einer E-Mail an Batty Hack, den Pfarrer von Dürler und bat diesen um ein Treffen, um die Übergabe des Bestandes in die Wege zu leiten. Dieses Treffen fand am 4. April 2007 statt, Prof. Dr. Minke nahm das Archivgut in Augenschein. Es wurde in Archivdosen verpackt und ins Staatsarchiv Eupen gebracht. Die neueren Kirchenbücher wurden fotokopiert. Der Depositalvertrag wurde am 11. Mai 2009 in Eupen unterzeichnet.

    INHALT UND STRUKTUR

    Der Bestand der Pfarrei Dürler umfasst 622 Nummern. Das Archiv der Kirchenfabrik bildet den grössten Teil (585 Nr.). Dem Archiv des Pfarrers konnten 33 Nummern zugeordnet werden. Ein Schriftstück betrifft die Skapulier-Bruderschaft vom Berge Carmel, zwei Dokumente die örtliche Rosenkranzbruderschaft.

    Die Aufteilung des Inventars entspricht der Zuordnung der Akten zu den unter III A genannten Archivbildnern sowie den allgemeingültigen Regeln des belgischen Staatsarchivs für die Inventarisierung von Pfarrarchiven.